„Zur blauen Stunde, Fotografen im Nachteinsatz“

Bei bestem Wetter, leichtem Südwind, blauem Himmel und Sonnenschein kamen am 4. April 2019 wieder viele Fotofreunde am Fliegerhorst Laage zusammen, um beim diesjährigen Fototag dabei zu sein. Kurz vor halb zehn trafen sich alle auf dem Parkplatz vor der Hauptwache. Jeder Ankömmling warf ein kurzes und freundliches Hallo in die Runde und schon war man untereinander am Sinnieren, was der Tag so bringen würde. Mit schwerer Fotoausrüstung und lockeren Schritten ging es dann zum Tor der Wache, die anstehende Einlasskontrolle zu absolvieren.

Bis dahin ahnte noch keiner, dass gleich eine unschöne dumme Sache den Beginn der Veranstaltung ein wenig trüben sollte. Mit großer Verwunderung stellten wir alle fest, dass die Anzahl der zuvor registrierten Teilnehmer nicht mit der Zahl der Anwesenden übereinstimmte. Nur rund 30 Mann (Männer und Frauen) aus Dänemark, Schweden, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland waren tatsächlich erschienen. Die andere Hälfte blieb größten Teils unabgemeldet fern. Ein großes Kopfschütteln ging um, alle anwesenden Teilnehmer waren sich einig: solch ein Verhalten ist ein „No Go“, geht gar nicht. Eine Enttäuschung auf beiden Seiten. Zum einen für das Taktische Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“, das mit viel Mühe den Fototag zusätzlich in den normalen Arbeitsablauf integrierte. Für unsere Szene natürlich auch eine kleine Schmach, da dieser Tag extra für uns Fotoleute auf die Beine gestellt wurde. An dieser Stelle mal ein kleiner Appell von mir an alle Fotofreunde: „Jeder einzelne von uns sollte sich stets vor Augen halten, dass solche Fototage im Geschwader für uns nicht alltäglich und schon gar nicht selbstverständlich sind. Verlangt doch so ein Termin dem Geschwader zusätzlich viel Zeit, spezielle Absprachen und eine gute Organisation ab.“

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Nachdem die schlechte Nachricht etwas verdaut war, versammelten wir uns zunächst im Gemeinschaftssaal des O/UHG Fliegerhorst Laage e. V. Dort wartete bereits Oberstabsfeldwebel Heinz-Dieter Nitz mit seiner für den Tag zur Verfügung stehenden Mannschaft, um uns zu begrüßen, uns auf den Tag einzustimmen und uns die Regeln auf- und abseits des Platzes aufzuzeigen. Im Anschluss der Willkommensrede bat Stabsfeldwebel Jan Seemann noch einmal alle Anwesenden um eine kurze weitere Aufmerksamkeit. Zum großen Erstaunen meinerseits bat er mich kurz nach vorn zu treten, um mir persönlich und auch im Namen des „Kranichteams“ für viele Jahre guter Zusammenarbeit zu danken. Ziemlich perplex fehlten mir anschließend die Worte, nur ein kleines Dankeschön kam mir dabei über die Lippen. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, hier ein paar Worte loszuwerden:

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„Lieber Jan, liebe Mitglieder des Geschwaders, es fiel mir an diesem Tag sichtlich schwer die eine oder andere Träne zu verbergen. Für mich war es eine große Überraschung an diesem Tag. Ich danke Dir und dem ganzen Team für die Anerkennung und die herzlichen Worte. Das tolle Präsent was mir dabei zu Teil wurde, hat natürlich zu Haus einen Ehrenplatz bekommen. Es macht mich stolz euer Vertrauen erlangt zu haben und eine besondere Freundschaft mit dem Team pflegen zu können. Aber es macht mir auch Freude mit meinen kleineren Tätigkeiten-Diensten dem Geschwader etwas zurückgeben zu können. Deshalb sage auch ich danke für fast 19 Jahre, in denen man mir immer wieder die Möglichkeit gab, das Geschwader Jahr für Jahr zu besuchen. Für so manch interessante Sache, die ich dabei erleben, begleiten und fotografieren konnte. Mit viel Leidenschaft und auch Respekt zu diesem Beruf schafft es das Team immer wieder dem öffentlichen Publikum den Alltag der Luftwaffe nahezubringen. Der Charme und der Humor, der dabei mit rübergebracht wird, gibt dem Ganzen eine angenehme und auch ein wenig persönliche Note. Für mich ist und bleibt das Taktische Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ mit eines der besten in Deutschland. Vielen lieben Dank.“

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Nachdem die sicherheitsrelevanten Details für den Tag geklärt waren und auch meine Person den ersten emotionalen Schub verarbeitet hatte, bekamen alle Teilnehmer noch die Zeit Patche einer besonderen Jubiläumszusammenstellung zu erwerben. Der daraus zustande gekommene Erlös ging später an das Kinder- und Jugendhospiz Leuchtturm e. V. In meinen Augen eine tolle Sache und es war auch nicht die Erste. Bereits in der Vergangenheit zeigte das (damalige) JG 73 „S“ mit verschiedenen Aktion ein Herz für Kinder: „EUROFIGHTER helfen krebskranken Kindern“ oder Facebook/DERKRANICH.de „Überschallzertifikat für Anhänger mit Perlen“ vom 20. Dezember 2017.

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Geschenke für krebskranke Kinder in RostockSeit 1992 beschäftigt sich der Verein zur Förderung krebskranker Kinder e.V….

Gepostet von Der Kranich.de am Dienstag, 19. Dezember 2017

Ein Blick auf die Uhr verriet, es wurde für uns, Zeit den Bus zu besteigen und Richtung Vorfeld zu starten. Denn gegen 10:30 Uhr sollten zwei Maschinen (31+17 und 31+18) als simulierter Quick Reaction Alert den Platz gen Norden verlassen. Nach wenigen Minuten waren wir im Bravo-Bereich angelangt. Nun hieß es: Freigabe vom Tower abwarten, anschließend Rollbahn zügig überqueren und auf der gegenüberliegenden Rasenfläche wieder haltmachen. Es folgte eine kurze Platzanalyse für die beste Aufnahmeposition und schon bezogen wir Stellung zwischen Taxiway und Runway. Im Eiltempo wurden die Fotoausrüstung klargemacht und letzte wichtige Einstellungen daran vorgenommen.

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Schon ging es los. Unsere ganze Aufmerksamkeit galt nun zwei Kampfflugzeugen vom Typ EUROFIGHTER und deren Durchführung eines Alarmstarts. Als die Jets sich in akzeptable Fotoreichweite befanden, nahmen wir sie mit unserer vierhunderter bis sechshunderter Brennweite des Objektivs ins Visier. Ein geschultes Auge für besondere Szenen und Details und ein gut arbeitender Fokus waren mit ein Garant für die ersten guten Fotos des Tages. Maximal 15 Minuten dauerte die ganze Aktion, dann war bereits alles wieder vorbei und die QRA war innerhalb von der festgelegten Zeit der NATO abgehoben.

Bereits 20 Minuten später wurde abermals unsere volle Bereitschaft gefordert. Ein Messflug eines EUROFIGHTER mit der Kennung 31+26 hielt uns mit seinen Überflügen aus verschiedenen Anflugrichtungen kommend in Atem. Rund eine halbe Stunde kämpften wir um die besten Aufnahmen. Ein vorausschauender Blick und eine schnelle Reaktion wurde von jedem abverlangt. Danach verließen wir unseren Standpunkt, um anschließend in den Sheltern im Bravo-Bereich die dort befindlichen Jets (30+48, 30+59, 30+55, 30+01, 30+10, 30+73, 30+49) zu fotografieren. Dabei betraten zunächst nacheinander nur einige die Boxen. Das half ungebetene Bildläufer zu vermeiden. Die anderen unterhielten sich währenddessen mit Mechanikern, Piloten und Begleitpersonal. Jeder schoss flink ein paar Bilder, dann kamen die anderen dran. Bei unserem Rundgang beobachteten wir auch, wie an einer Maschine der Setup-Wechsel für den nächsten Flug durchgeführt wurde. Da bereits Mittag vor der Tür stand, konnten wir leider nur einen Teil davon miterleben. Mit dem Bus ging es zurück zum Mittagessen. Wie schon die Jahre zuvor war das Essen sehr reichlich und schmeckte hervorragend.

Gegen 14:00 Uhr machten wir uns gestärkt wieder auf den Weg. Dieses Mal fuhren wir in den südwestlichen Bereich der Bahn – ein kleiner geäußerter Wunsch unserer Truppe. Der ideale Standplatz war dort schnell gefunden. Mit der Sonne nun im Rücken warteten wir auf die anstehenden Starts von drei EUROFIGHTER (30+64, 30+65, 30+35), die bereits ihren Line-Up vollzogen. Unser Adrenalinspiegel stieg, der Start stand kurz bevor. Ein letzter Blick zum Nebenmann, dann kam das Take off für die Maschinen. Eine nach der anderen zog von dannen und wie Salven klickten unsere Auslöser an unseren Kameras. Wenige Sekunden danach sahen wir nur noch drei graue Punkte am Himmel verschwinden. Nun hieß es auf die Rückkehr der Jets zu warten.

Wir nutzten die Zeit für eine angeregte Unterhaltung, neue Kontaktaufnahmen und kurze Bilderschau auf dem Display der Kameras. So mancher hatte dabei ein breites Grinsen aufgesetzt. Nach anderthalb Stunden kamen alle Maschinen in zwei Gruppen (3-Ship und 2-Ship) von ihrem Flug zurück. Schon von weitem sahen wir sie einfliegen.

Nun ging es sehr schnell, mit einem kurzen Blick durch den Sucher wurden die Jets anvisiert, dann bekamen Mensch und Auslöser wieder viel zu tun.

Überglücklich stiegen wir mit unserer Ausbeute wieder in den Bus. Unsere Tour führte nun vorbei an bereits alten ausgemusterten Exemplare. Auch sie bekamen einen Platz in unserer Fotogalerie. Mittlerweile war es 17:00 Uhr, gewöhnlich waren zu dieser Zeit die Veranstaltungen beendet. Doch dieser Tag hielt noch etwas Besonderes für uns vor.

Nachtflug war angesagt und wir bekamen vom Geschwader die Gelegenheit die ersten Starts noch miterleben zu können. Ein Dank an Oberstabsfeldwebel Heinz-Dieter Nitz und seinem Team, die uns ihre wertvolle Zeit schenkten und es uns ermöglichten dabei zu sein. Für 19:00 Uhr war wieder geplant auf dem Platz zu stehen. Wir fuhren also noch einmal zurück, um in der O/UHG einen abendlichen und gemütlichen Imbiss einzulegen.

Die Sonne befand sich schon auf ihrer Verabschiedungstour, als wir uns zu unserer letzten Fahrt aufmachten. Gespannt, satt und mit erfrischtem Gemüt nahmen wir den letzten Teil unseres Tages in Angriff. Erneut ging es für uns in den Bravo-Bereich. Dort angekommen hielt der Himmel einen farbenfrohen Sonnenuntergang für uns bereit. Rot, Blau und Orange ergaben ein Farbspektrum der besonderen Art.

Dank der noch vielen Begleiter konnte sich die Gruppe in zwei bis drei Teams aufteilen. Jeder bezog seine zuvor gewählte Favoritenstellung und machte sich bereit für das Nachtshooting.

Stone 1 30+35, Stone 2 30+38, Stone 3 31+26 und Stone 4 31+24 wurden wie immer von der Wartungscrew routiniert auf der Last Chance für ihren Flug vorbereitet. Mit Unterstützung von Taschenlampen gingen sie rundherum die Flugzeuge ab und überprüften noch einmal alle sicherheitsrelevanten Bereiche. Wie Glühwürmchen tanzen die Lichter ihrer Lampen um die Maschinen in der Abenddämmerung. Wir kämpften derweil mit den erschwerten Lichtbedingungen, um gute Aufnahmen hinzubekommen. Doch mit etwas Geschick holten wir uns das eine oder andere einmalige Foto für die Ewigkeit. Mit bereits warmer kerosinhaltiger Luft umgeben, beobachteten wir nun den Last Check.

Alle hofften gleich auf mehrere Flüge mit Nachbrenner, doch nur eine Maschine, Colt 1 30+64 lieferte den krönenden Abschluss des Tages. Colt 2 30+65, die zehn Minuten später an den Start ging, gab dem Tag seinen Ausklang. Zum letzten Mal genossen wir den Last Check und den Take off, bevor sich auch dieser Jet in die Nacht verabschiedete. Für uns ging damit ein ganz besonderer Tag zu Ende. Wofür wir uns bei allen unseren Begleitern herzlich bedanken möchten. Wie bereits erwähnt, es ist nicht selbstverständlich und daher noch einmal ein persönliches Dankeschön an Oberst Gero von Fritschen, dass wir Gast in Ihrem Geschwader sein durften. Sie führen an diesem Standort eine klasse Mannschaft, die immer wieder auf ein Neues dem wissbegierigem Publikum Rede und Antwort steht und ihren Job mit Herzblut betreibt.

Vielen Dank an das Taktische Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“!

Christian Pusch, Leipzig