Laage ist größer geworden

Laage und Diekhof: Zwei mecklenburgische Metropolen machen gemeinsame Sache. Oder: Unsere Garnisonsstadt ist größer geworden.

Es gibt wenig Orte auf der Welt die so rasant wachsen wie Laage. Hatte die Stadt im April dieses Jahres noch ca. 5550 Einwohner, waren es Ende Mai schon etwa 6500. Also innerhalb weniger Tage ein Zuwachs um 17 Prozent. Das toppen auch chinesische Megastädte nicht. Allerdings entstand die Bevölkerungsexplosion nicht durch ungezügelte Vermehrung, sondern durch eine Fusion mit der Nachbargemeinde Diekhof.

Aus den zwölf Laager Ortsteilen sind jetzt 21 geworden. Der kleinste hat einen Einwohner (in Worten: einen) und heißt Rossewitz, der größte, nämlich Laage, 3200 Einwohner. Die Nord-Südausdehnung beträgt, genau wie die Ost-Westausdehnung, etwa 17 Kilometer. Das ist ähnlich wie bei Rostock, nur unsere Bevölkerungsdichte ist etwas geringer. Und ein Hafen fehlt auch, aber man kann nicht alles haben. Aber der Schmooksberg (der mit der Radarantenne) gehört jetzt mit all seinen 127,5 Höhenmetern – also fast 128! – auch zu Laage. Würde das Klima uns keinen Strich durch die Rechnung machen, könnten wir dort einen Skilift errichten. Aber daraus wird ja nun vermutlich nix, die Schneesicherheit wird immer schlechter, Schneekanonen sind zu teuer und würden außerdem unseren ökologischen Fußabdruck auf Schuhgröße 49 bringen.

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Rathaus Laage

Diekhof, bis zum 25. Mai 2019 eigenständig, hatte 2018 beschlossen, sich der Stadt Laage anzuschließen – die Laager Stadtvertretung hatte diesem Wunsch zugestimmt. Die Fusion wurde am Tag der Kommunalwahl MV, dem 26. Mai 2019, vollendet.

Hauptgrund für den etwas verzweifelten Diekhofer Fusionsbeschluss war die desolate finanzielle Situation der Gemeinde, die ursächlich auch mit dem Wiedervereinigungsvertrag zusammenhängt. Aus DDR-Beständen musste der Ort im Jahr 1990 Wohnblocks (Plattenbauten) in sein Eigentum übernehmen. Diese waren mit hohen Hypotheken belastet und wurden teuer renoviert, weil sie sich nach der Wende sehr gut vermieten ließen. Das änderte sich aber schnell; bald konnten die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken und Diekhof häufte immer höhere Schuldenberge auf. Vor einigen Jahren waren das etwa 2,5 Millionen Euro, ein mehrfaches des jährlichen Haushaltes der Gemeinde. Diese Summe konnte zwar durch den Verkauf einiger Wohnblocks auf etwa 1,5 Millionen reduziert werden, was den Freiraum für notwendige Investitionen (Straßen, Schulen und vieles mehr) auch nicht erhöhte. Das war bitter.

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Alle Versuche der Diekhofer, diese Situation zu entschärfen, verliefen im Sande. Der stete Kampf gegen die „Windmühlen“ in höheren Verwaltungsbehörden blieb ohne Ergebnis; dabei wurden nur motivierte Bürgermeister und Gemeindevertreter verschlissen. Darüber zu berichten würde Bücher füllen.

Rathaus Laage

Die Fusion der beiden Gemeinden wird jetzt durch das Land MV subventioniert. Zusammenschlüsse von Gemeinden werden gefördert, auch um Verwaltungskosten einzusparen. Dadurch können die Altschulden Diekhofs fast komplett getilgt werden. Das war auch eine Bedingung der Stadt Laage, sonst wäre der Fusion nicht zugestimmt worden. Es gib aber auch viele Diekhofer, die diesen Zusammenschluss nicht unterstützen. Letztendlich wurde der Ort dadurch mehr oder weniger zur Aufgabe seiner Selbstständigkeit gezwungen. Allerdings wird Diekhof sowieso schon seit Jahren durch das Laager Rathaus mit verwaltet. Nur durften die Diekhofer bislang selber bestimmen wofür sie ihre nicht vorhandenen Gelder ausgeben. Diese Entscheidungen werden jetzt durch die Laager Stadtvertretung übernommen, in der seit Mai auch zwei Vertreter aus Diekhof sitzen.

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Schlosskapelle Alt- Diekhof

Es ist aber Konsens, dass die Fusion für die Diekhofer kein Nachteil wird. Deshalb muss unsere neu entstandene Gemeinschaft dafür sorgen, dass die Fusion in Zukunft, rückblickend von allen Beteiligten, positiv beurteilt wird. Sicherlich wird es noch einige Jahre dauern, um den akuten Investitionsstau abzuarbeiten. Alle hoffen, dass sich die mit der Hochzeit verbundenen Hoffnungen erfüllen. Toi, toi, toi. Oberstabsfeldwebel der Reserve Alfons Hütten, Laage