„Fit to fly“

„Fit to fly“ ist ein Zertifikat über die Eignung eines angehenden Piloten zum Fliegen. Am Anfang steht die Faszination für das Fliegen. Daraus entwickelt sich ein konkreter Berufswunsch, ein berufliches Ziel, der Wunsch zur Veränderung, die Vorstellung über die eigenen fliegerischen Fähigkeiten.

Manchem ist es seit Kindertagen ein Herzenswunsch. Ein anderer erarbeitet sich diesen Wunsch Tag für Tag und verfolgt strebsam das Ziel: „Fit to fly“.

Obergefreiter Ramón Mehlhorn steht zum ersten Mal ganz allein im Mittelpunkt und er strahlt. Er stellt sich mit seinen 19 Jahren einem Interview, weil er von dem was er bisher getan und erreicht hat und von seinem Berufswunsch absolut überzeugt ist. Sein derzeitiger Soldatenstatus als freiwillig Wehrdienstleistender (FWDL) ist heute nicht mehr so selbstverständlich verbreitet wie noch vor ein paar Jahren. Entsprechend ist es wenig verwunderlich, dass er in seiner Einheit den kleinsten Dienstgrad innehat. Er ist umgeben von Offizieren und Stabsoffizieren, die vor allem einer Profession mit Leidenschaft nachgehen: dem Fliegen.

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Das Abitur erwarb der Obergefreite im letzten Jahr. Er konnte sich für die Mathematik, die Naturwissenschaften allgemein – speziell für die Physik, Technik und Englisch ganz besonders begeistern. Bis zu seinem späteren Entschluss nutzte der junge Mann die Informationsangebote von Berufs- und Studienmessen der Hochschulen. Sein frühes Interesse an der Mechatronik, an einem Maschinenbaustudium in Stralsund formierten zunächst lohnende Ziele.

Und was bewog ihn schließlich, zur Bundeswehr zu gehen? „Mein Onkel war Soldat beim Heer und über diesen entdeckte ich mein Interesse an der Fliegerei“, so Mehlhorn. Doch zunächst wollte der damals 18-Jährige die Bundeswehr kennenlernen, als Soldat. Er bewarb sich erfolgreich für den 18-monatigen Wehrdienst. Mit Beginn dieses Jahres veränderte sich für den 2001 in Potsdam Geborenen urplötzlich sein Leben. Die Einberufung zur Grundausbildung in Roth bedeute für ihn die erste Wegmarke. Das soldatische Leben, die Gemeinschaft, Kameradschaft erlernten er und seine Mitstreiter, auch die Dienstgrade, die Vorgesetztenverhältnisse, die Grundfertigkeiten des Soldatseins. Am Anfang ist das zunächst schwer verständlich aber erträglich und die gewohnt-gelernte häusliche Komfortzone weicht der Überzeugung, nur in einer funktionierenden Gemeinschaft miteinander erfolgreich zu sein, ohne jedoch sein eigenes Ich aufgeben zu müssen.

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So sozialisiert für den Start in ein von Uniformen geprägtes Berufsleben war der Tag der Versetzung nach Laage ins Geschwader „Steinhoff“ irgendwie unheimlich und doch spannend. Ramón Mehlhorn formulierte es so: „Meinen ersten Tag in der 1. Fliegenden Staffel vergesse ich nie. Ständig musste ich militärisch grüßen und deswegen wurde ich befremdlich angeschaut.“ Jede Menge Feldwebel und Offiziere begleiteten ihn ab sofort im Dienst. Schnell wich Ungewissheit der Neugier, die gedachten Distanzen gab es nicht. Und: „Nach ein paar Tagen führten alle mit mir ganz normale Gespräche und heute bin ich sogar mit ein paar Piloten befreundet, die mir sehr gern meine Fragen zur Piloten-Ausbildung beantworten.“ Der Brandenburger ist sehr schnell angekommen und wurde direkt im „Ops“, dem Staffelgefechtsstand seiner Staffel, eingesetzt. Er wurde Teil einer wichtigen Kommunikationszelle für Flug- und Flugausbildungsplanung.

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Auf die Frage nach seinen Aufgaben strahlen seine Augen erneut mit Stolz und er blüht richtig auf: „Wir kommunizieren unglaublich viel, buchen Lufträume mit der Deutschen Flugsicherung (DFS), bestellen bei der Technischen Gruppe speziell konfigurierte Luftfahrzeuge, weisen diese den Piloten zu, führen Buch über Flugaufträge, nehmen erste Informationen über absolvierte Flugausbildungen auf, organisieren für die Pilotenbriefings die Wetter-, SAR-, Tower-, Ausweichflugplatz-, Frequenz- und Informationen zu Platzkoordinaten usw.“

Der kommunikative Mannschaftsdienstgrad ist auch ein genauer Beobachter und nach nur wenigen Monaten in seiner Staffel formuliert er in einem Antrag seinen jetzt für ihn so bedeutsamen Berufswunsch: Pilot. Die ersten Einladungen zu den Bewerbertests sind bereits eingegangen und zwei davon hat Herr Mehlhorn erfolgreich absolviert. Erst jüngst im November erhielt er die Zusage für die Übernahme in die Laufbahngruppe der Offiziere des Truppendienstes, und diese verbunden mit einem Maschinenbaustudium an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg. Mit bestandenem Studium wäre auch eine spätere Verwendung als Technischer Offizier denkbar.

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Sein Kompaniefeldwebel, Hauptfeldwebel Henry Brandt, fand ergänzend nur lobende Worte: „Herr Mehlhorn arbeitet sehr zielstrebig und zuverlässig. Für uns ist er ein echter Gewinn. Wir alle sind uns einig, dass er sich zum Piloten eignet.“

In seiner Fachtätigkeit wird hohe Konzentration verlangt. Das eingespielte Miteinander gleicht einer Routine, die es nicht gibt. Individuell laufen die Diensttage ab – bedingt situativ planbar. Überlagern der Dienst und sein Berufswunsch weitere Interessen? Lächelnd weiß der Obergefreite zu überzeugen: „Als Kind habe ich mit Lego-Technik gebastelt, später habe ich an Mopeds geschraubt und erst kürzlich habe ich einen Golf II fahrbereit zum TÜV gebracht. Ich spiele ab und zu Gitarre, gehe bis zu dreimal in der Woche in den Kraftraum, mag Motocross und Inlinehockey mit Hartball.“

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Von Interesse dürfte sein: Ist der von Herrn Mehlhorn gewählte Weg ins Berufsleben eines Soldaten und späteren Piloten eher ein Umweg oder genau richtig? Nicht direkt so gefragt gibt der junge Mann gern einen Einblick: „Ich habe mir alles immer genau angesehen und ich bin motiviert.“ Um dann noch emotionaler zu werden: „Ich habe richtig Bock drauf. Mir wird jeden Tag bewusster wie genial das ist. Was die Piloten können, möchte ich auch erreichen, einer von ihnen sein.“ Und er steigert sich mit Bedacht: „Mir ist auch aufgefallen wie kumpelhaft alle hier miteinander umgehen. Jetzt bin ich noch Obergefreiter aber ich will ein Gleichgesinnter sein.“ Ramón Mehlhorn untermauert seine Zielstrebigkeit mit einer eindeutigen Rückbesinnung auf die gegenwärtigen Anforderungen an ihn, an sich: „Ich mache mir selber ein bisschen Druck, dass ich hier gute Arbeit leiste, weil mir die Arbeit sehr viel Spaß macht.“

Gibt es für ihn „nur“ dieses Ziel oder orientiert er sich weiter? Überhaupt nicht mehr verwunderlich, genau das: „Später kann ich mir andere, zusätzliche Aufgaben vorstellen. Einsatzoffizier, noch später Waffenlehrer, Testpilot oder auch die Raumfahrt sind für mich vorstellbar.“ TO

Seine positive Ausstrahlung, der so stringent formulierte eigene Anspruch und seine Zielstrebigkeit lassen keinen Zweifel offen: Der Mann hat klare Vorstellungen, die realistisch sind, deren Verwirklichung von ihm noch mehr als bisher abverlangen werden aber er bereits jetzt in seiner Orientierung in seinem Umfeld viele ihn bestärkende positive Beispiele findet.

Das Gespräch verlief so vertraut, dass Herr Mehlhorn eine Gelegenheit bekommen musste, aus einer anderen Perspektive Worte an seine Einheit zu richten, die er sehr gern wahrnahm: „Ich möchte mich bei meiner Staffel und ganz besonders bei meinen „OPS“-Kameraden bedanken, die mich ohne Vorurteile aufgenommen und integriert haben. Ich fühle, ich bin angekommen und fühle mich überhaupt nicht ausgeschlossen. Es macht mir richtig Spaß mit Euch!“

An den Protagonisten gerichtet: Herr Mehlhorn, Sie haben so positiv pariert, das Gespräch hervorragend geprägt. Sie sind Teil eines Ganzen und doch überzeugen Sie jeden von und mit Ihren Vorstellungen, dass Sie einfach weitermüssen. All das möge, nein muss Ihnen gelingen. Dafür wünsche ich Ihnen gutes Gelingen, dass Sie sich selber treu bleiben und, dass Sie noch darüber hinaus wachsen aber nie von oben herabschauen! Alles Gute!

Hauptmann Erik Pflanz, Stab TaktLwG 73 „S“