ELEPHANT RECOVERY 2018

Notlandung eines Hubschraubers nach Beschuss!

So oder so ähnlich lauteten die Ausgangsszenarien bei der diesjährigen Bergeübung ELEPHANT RECOVERY. Aber was soll ich jetzt tun?

Diese Frage stellten sich 16 Offiziere aus 14 fliegenden Verbänden und den beiden Instandhaltungseinrichtungen aus den Teilstreitkräften des Heeres, der Luftwaffe und der Marine im Zeitraum vom 16. April bis 20. April 2018 am Standort Schortens. Die zwölfte Bergeübung, die zum zweiten Mal durch das Taktische Luftwaffengeschwader 73 “Steinhoff“ als Leitverband durchgeführt wurde, sollte am Ende der Übungswoche die Antwort auf die Frage geben. Nachdem am Sonntag, den 15. April 2018 die ca. 150 Teilnehmer aus 23 verschiedenen Dienststellen bis 17:00 Uhr im Hotel „Dorf Wangerland“ angereist waren, begann die Übung pünktlich um 19:00 Uhr mit der offiziellen Begrüßung der Teilnehmer durch das Organisationsteam und mit dem Eingangsbriefing. Hier erfolgte die Einweisung in die örtlichen Gegebenheiten, in den Übungsraum und den Ablauf. Anschließend sensibilisierte ein Vertreter des Luftfahrtamtes der Bundeswehr (LufABw) die Übungsteilnehmer hinsichtlich der „Gefahrenpotenziale bei einer Lfz-Bergung“. Zum Abschluss hielten zwei Teilnehmer vom Kampfhubschrauberregiment 36 einen Vortrag über den Absturz eines Kampfhubschraubers TIGER in Mali und dessen Bergung. Vielen Dank den beiden Vortragenden, die mit ihren Ausführungen doch dem einen oder anderen Technischen Offizier die Augen geöffnet haben, wie schnell man in so eine Situation geraten kann.

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Personal unter Persönlicher Schutzausstattung (PSA)

Obwohl die Nachtruhe recht kurz und der vorangegangene Tag anstrengend und lang war, erschienen alle motiviert und bestens gelaunt auf dem entwidmeten Fliegerhorst Jever. Nach einer Einweisung in die Sicherheitsbestimmungen der unterstützenden Waffensysteme, darunter eine Faltfestbrücke vom Gebirgspionierbataillon 8 aus Ingolstadt, einem 100-Tonnen-Kran vom Sanitätsregiment 1 aus Weißenfels und einem Schwerlasttransporter „Franziska“ vom Logistikbataillon 467 aus Volkach, wandten sich die Teilnehmer dem praktischen Teil der Übung zu. An der abgesetzten Station auf dem Fliegerhorst Wittmund bekamen die Teilnehmer eine Einweisung in das Bergeverfahren des EUROFIGHTER mittels Hebegeschirr. Weiterhin erklärte das LufABw die Flugunfallausstattung, die das Bergepersonal zum Schutz vor gefährlichen Stoffen tragen muss. An den sieben Stationen in Jever, die in der Vorwoche der Übung durch das Org-Team vorbereitet wurden, fanden die Bergeoffiziere und ihre Teams verschiedene Luftfahrzeuge, darunter TRANSALL C-160, TORNADO PA-200, CH-53 sowie Bell UH-1D in unterschiedlichen „verunfallten“ Situationen vor. Vor dem Versuch, diese „sicher zu bergen und der Instandsetzung zuzuführen“, musste allerdings vorab die Situation begutachtet und ein Bergeplan erstellt werden. Dieser wurde mit dem zuständigen Supervisor (Stationsleiter) besprochen, um eventuell kritische Situationen bei der Bergung zu vermeiden.

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Ein Hauptschwerpunkt der diesjährigen Bergeübung war der Umgang mit den sogenannten „Fiesen Fasern“. Diese treten heutzutage bei den meisten Luftfahrzeugen auf, da hier CFK-/GFK-Teile verbaut sind, die beim Brechen oder Ab-/Verbrennen gefährlich für das Bergepersonal sein können. Hierzu wurde eine Station zu einem Trümmerfeld mit einem TIGER-Zellensegment und mehreren Lfz-Teilen und CFK-/GFK-Teilen hergerichtet. Die Aufgabe lag hier speziell an der Erkennung der Gefahr, das Anlegen und das richtige Arbeiten unter der Flugunfallausstattung inklusive der vorherigen Bindung der Fasern mittels Faserbindemittel. Durch die Station in Wittmund beim Taktischen Luftwaffengeschwader 71 “Richthofen“ gut vorbereitet, gingen die Teilnehmer nicht ganz unwissend an die Sache heran.

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Organisationsteam ELEPHANT RECOVERY 2018

Ein weiterer Schwerpunkt der Übung war für die Bergeoffiziere am Mittwoch die Bergung bei Nacht. Um diesen anspruchsvollen Teil der Übung nicht unnötig schwer oder gefährlich zu machen, unterstützte uns wie jedes Jahr das Technische Hilfswerk Jever – vor allem bei der Ausleuchtung des Übungsraumes. Nachdem am Donnerstagnachmittag die Stationen größtenteils abgebaut waren, fand abends ein Kommandofest statt, wo allen Teilnehmern gedankt und die gemachten Erfahrungen der vergangenen Woche ausgetauscht wurden. Am Freitag verlegten alle Übungsteilnehmer mit einer möglichen Antwort, auf die am Anfang des Beitrages gestellte Frage im Gepäck, wieder zurück in ihre Heimatverbände.

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Letztendlich bleibt zu sagen, dass es für alle Beteiligten eine erfolgreiche und tolle Übung war, wozu vor allem das großartige Zusammenarbeiten aller Akteure untereinander beitrug. Obwohl keiner der Teilnehmer die Übungsszenarien in Realität erleben möchte, hat uns die Vergangenheit leider eines Besseren belehrt und die Übung hat dazu beigetragen, gerade den Bergeoffizieren gewisse Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Oberleutnant Manuel Ficht Inst/EloStff TaktLwG 73 „S“