Einsatzprüfung Lenkflugkörper METEOR

„Drum prüfe wer sich ewig bindet …“ – schon Friedrich Schiller hatte die Erkenntnis, eine langfristige Partnerschaft vorher einer genauen Prüfung zu unterziehen. Schließlich lässt sich nur so feststellen, ob die eigenen Ansprüche an den Partner erfüllt werden und man somit bereit ist, eine langfristige Beziehung mit dem Gegenüber einzugehen. Diese Prüfung ist umso wichtiger, wenn vom Ergebnis die Nutzbarkeit eines komplexen Waffensystems abhängig ist. In diesem Fall ist die Rede vom Lenkflugkörper METEOR.

Der Lenkflugkörper METEOR ist ein Luft-Luft-Lenkflugkörper, welcher die Fähigkeit besitzt, außerhalb der Sichtweite gegnerischer Luftfahrzeuge (englisch: Beyond Visual Range, BVR), verschossen zu werden. Als weitere Besonderheit ist der METEOR mit einem Staustrahltriebwerk ausgestattet. Diese Technologie ermöglicht es ihm, bis zum letzten Moment den Schub des Raketenmotors aufrechtzuerhalten, wodurch die Performance und im Besonderen die Wendigkeit im Endanflug gegenüber herkömmlichen Systemen deutlich verbessert wird.

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Anlieferung des Lenkflugkörpers METEOR auf dem Vorfeld der Lfz-Durchgangshalle

Im Zuge der Einführung dieser neuen Munition sieht das Customer Product Management eine umfangreiche Einsatzprüfung für die verschiedensten Bereiche vor. So gliedert sich die Einsatzprüfung des Lenkflugkörpers METEOR in einen taktisch-operationellen Anteil und in einen technisch-logistischen Anteil, welcher um den Part „ortsfeste Logistik“ (Munitionsdepot) ergänzt wird.

Das Taktische Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ hatte den Auftrag, die technisch-logistische Einsatzprüfung durchzuführen und mit den gewonnenen Erkenntnissen einen wesentlichen Beitrag zur Erklärung der Übernahmebereitschaft und somit zur Einführung des Lenkflugkörpers METEOR in die Luftwaffe zu leisten.

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Um eine sinnvolle Einsatzprüfung durchzuführen, wurde das Transport-, Montage- und Beladekonzept (TMBK) des Verbandes zu Grunde gelegt. Hierbei standen alle Handlungsabläufe vom Eintreffen der Munition im Munitionslagerbereich „Objekt 14“ bis zum Anbau des Lenkflugkörpers an das Luftfahrzeug im Fokus. Schritt für Schritt und immer mit kritisch prüfendem Blick auf die gültige Vorschrift wurden Themenfelder wie:

– Übernahme aus der ortsfesten Logistik,

– Übergabe vom Objekt 14 an den Munitionsbereich der Wartungs- und Waffenstaffel,

– Handlungsabläufe beim Vorbereiten bzw. Überprüfen des LFK,

– Übergabe an die Wartungscrew,

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– Beladung des Luftfahrzeuges,

– Verfahren in SASPF,

bearbeitet.

Hierbei wurde sowohl die Umsetzbarkeit der Herstellervorgaben, als auch das Zusammenspiel der vorhandenen sowie neu eingeführten Bodengeräte zum Transport und Anbau des Lenkflugkörpers inklusive seines Transport- und Lagerbehälters geprüft und in einem umfangreichen Ergebnisbericht zusammengefasst.

Lenkflugkörper METEOR auf dem Beladewagen VAP 60

Am Dienstag, den 28. August 2018 wurden diese Ergebnisse schließlich einem Fachpublikum, bestehend aus Vertretern des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung, dem Kommando Luftwaffe und dem Luftwaffentruppenkommando in Bild und Ton, das heißt auch anhand von praktischen Vorführungen präsentiert.

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Jetzt kommt die Stelle, an der sicherlich der eine oder andere das Ergebnis erwartet. Im Radio würde jetzt der Ton in ein Rauschen übergehen, im Fernseher würde das Bild schlagartig auf ein Testbild umspringen – zumindest aber würde der Hinweis: „Die nachfolgende Sendung ist für Zuschauer unter 16 Jahren nicht geeignet“ erscheinen. Soviel darf gesagt sein: Diese Einsatzprüfung war ein wichtiger und vor allem großer Schritt in Richtung Einführung des Lenkflugkörpers METEOR.

Wartungspersonal der Teileinheit Ausbildung und Standardisierung beim Anbau des Lenkflugkörpers an den EUROFIGHTER

Und um auf den guten alten Herrn Schiller zurückzukommen: Nicht jeder Partner ist perfekt! Die Frage ist nur, wie groß die Kompromisse sind, die ich eingehen muss und ob ich bereit bin, diese einzugehen. Diese Frage kann in diesem Fall mit „JA“ beantwortet werden.

Was bleibt, ist das gute Gefühl an diesem Projekt beteiligt gewesen zu sein und so aus dem Blickwinkel des Nutzers wichtige Impulse für ein bedienerfreundliches und einsatznahes Handling des Lenkflugkörpers METEOR gegeben zu haben.

Schließlich fragt man sich nur allzu oft: Wer hat denn das für gut befunden?

Hauptmann Michael Streblow Wtg/WaStff TaktLwG 73 „S“