Der Experte für Kerosin

Circa 25000 Liter Kerosin benötigen die deutschen EUROFIGHTER der „Verstärkung Air Policing Baltikum 2020/2021“ (VAPB 2020/21) jeden Tag für ihre Flüge. Damit die Kampfflugzeuge jederzeit zuverlässig für Alarmierungen bereitstehen und sicher starten können, müssen sie vor jedem Flug mit der richtigen Treibstoffsorte betankt werden. Hierfür sorgt ein speziell ausgebildeter Fachmann am Boden: der Betriebsstofffeldwebel – ein Chemielaborant in Uniform.

Hauptfeldwebel Martin Sulz erklärt in seinem mobilen Labor die Kerosinanalyse im Messzylinder. Bundeswehr/Niels Juhlke

Bereits bevor die ersten Kampfflugzeuge der Mission VAPB 2020/21 in Estland landen, ist daher Martin Sulz vor Ort. Im Vorkommando der Mission, also vor der Ankunft der meisten anderen Soldaten, nimmt er sein mobiles Labor für Flugkraftstoffe in Betrieb. Der 39-jährige Hauptfeldwebel sorgt in diesem Laborcontainer dafür, dass die EUROFIGHTER jederzeit mit dem passenden Treibstoff in hoher Qualität versorgt werden können.

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Direkt nach ihrer Ankunft sollen die deutschen Jets das erste Mal auf der Ämari Air Base betankt werden. Das Kerosin im Tanklager ist jedoch noch nicht mit den passenden Additiven (Zusatzstoffen) versehen. Aus diesem Grund überwacht Martin Sulz das Befüllen der Tanklaster und das „Verfeinern“ des Kerosins mit den benötigten Additiven über eine Dosieranlage auf seinem Weg vom Tanklager in den Tankwagen. So wird aus dem zivil genutzten Kraftstoff Jet A1, mit dem beispielsweise Linienflugzeuge betankt werden, der militärische Kraftstoff mit dem „NATO North Atlantic Treaty Organization“-Code F34. Dieser Kraftstoff enthält als Zusatz einen sogenannten FSII „Fuel System Icing Inhibitor“ (FSII) und verhindert so die Bildung von Eiskristallen in Kraftstofftanks und -leitungen. Im Gegensatz zu zivilen Linienflugzeugen besitzt der EUROFIGHTER keine beheizten Treibstofftanks und benötigt daher diese Kerosinsorte.

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Genaue Qualitätskontrolle vor dem Betanken

„Hier in Estland testen wir in unserem Labor vor der ersten Betankung der Jets, ob die Qualität und Zusammensetzung des Treibstoffs stimmt“, erklärt Martin Sulz, der bereits zum vierten Mal mit der Bundeswehr im Einsatz ist. Nicht nur in Ämari sind die Fachleute für Betriebsstoffe gefragt – auch in anderen Einsätzen, wie zum Beispiel in Afghanistan oder Jordanien, sorgen sie für die optimale Treibstoffqualität.

Entnahme einer Kerosinprobe am Tanklaster durch Hauptfeldwebel Martin Sulz und Stabsunteroffizier Ronny K. Bundeswehr/Niels Juhlke

In seinem sandfarbenen Laborcontainer voller moderner Messtechnik macht sich der Hauptfeldwebel an die Arbeit: Zunächst wird eine Probe des Kraftstoffs mit destilliertem Wasser gemischt. Das beigemischte Additiv gegen Vereisung löst sich und setzt sich im destillierten Wasser ab. Mit einem sogenannten Refraktometer kann anschließend über eine optische Skala die Konzentration des Zusatzstoffes im Treibstoff festgestellt werden. „So können wir prüfen, ob die Dosieranlage richtig funktioniert und die korrekte Konzentration des FSII-Additivs beigemischt hat, damit der Schutz gegen Vereisung in Tanks und Leitungen des Flugzeugs gewährleistet ist“, erläutert der 39-Jährige.

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Mit einem Blick in ein Refraktometer untersucht Hauptfeldwebel Martin Sulz den Gehalt des Eisbildungsverhinderungsadditivs im Kerosin. Bundeswehr/Niels Juhlke

Neben weiteren Tests prüft Martin Sulz noch das Verhalten des Kraftstoffs gegenüber Wasser, um festzustellen, ob die Filteranlagen am Tankwagen korrekt funktionieren. Hierzu schüttet er in einen Messzylinder, der aussieht wie ein hohes Reagenzglas, Kerosin auf eine Pufferlösung. Diese Lösung aus destilliertem Wasser und Salzen erfüllt einen besonderen Zweck: „Durch die klare Trennung zwischen Treibstoff und der Lösung können wir hier feststellen, ob die Filteranlage am Tankwagen Verunreinigungen zuverlässig herausgefiltert hat“, so der Betriebsstofffeldwebel.

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Hauptfeldwebel Martin Sulz untersucht in seinem mobilen Labor mit einem Messzylinder die Kerosinqualität. Bundeswehr/Niels Juhlke

Chemielaborant in Uniform – ein verantwortungsvoller Beruf

Nachdem das Kerosin alle Tests bestanden hat, steht der ersten Betankung der für die nächsten Monate in Ämari stationierten EUROFIGHTER nichts mehr im Wege. Die Arbeit für Martin Sulz ist damit jedoch noch nicht abgeschlossen: Der Hauptfeldwebel, der in der Heimat in der Nachschub- und Transportstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ in Rostock-Laage arbeitet, ist neben der Qualitätssicherung des Flugkraftstoffs für die Nachweisführung der Betriebsstoffe zuständig. Die verbrauchten Treibstoffmengen werden durch ihn in SAP erfasst, gebucht und verwaltet, um stets einen Überblick über die verbrauchten Mengen zu behalten.

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Nach erfolgreicher Qualitätskontrolle wird ein EUROFIGHTER auf der Ämari Air Base mit Kerosin der Sorte F34 betankt. Bundeswehr/Niels Juhlke

Für diesen verantwortungsvollen Job hat Sulz zunächst eine zivile Ausbildung zum Chemielaboranten absolviert. Vor dem militärischen Lehrgang zum Betriebsstofffeldwebel beim Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe muss außerdem noch die Qualifikation zum Materialbewirtschaftungsfeldwebel an der Logistikschule der Bundeswehr erworben werden. „Das Spannende an meinem Beruf ist die Abwechslung, die ich jeden Tag erlebe. Ich habe keinen reinen Bürojob und komme mit vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen in Kontakt“, resümiert der 39-Jährige. Durch seinen Einsatz im ersten deutschen Kontingent VAPB 2020/21 trägt er einen wichtigen Teil zum sicheren Flugbetrieb der deutschen EUROFIGHTER bei, die von Ämari aus den NATO-Luftraum über dem Baltikum sichern.

Daniel Waite