Blue Flag 2019

Nachdem die Luftwaffe 2017 erstmals an der multinationalen Hochwertübung „Blue Flag“ teilnahm, damals war das Taktische Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ federführend, beteiligte sich die Luftwaffe auch 2019 wieder daran. Mit rund 130 Frauen und Männern und sechs EUROFIGHTER reiste das Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ aus Wittmund ins Heilige Land.

Mit dabei waren auch Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“. Mit insgesamt drei EUROFIGHTER, drei Piloten, vier Mechanikern und einem ehemaligen Piloten und Fluglehrer unterstütze das TaktLwG 73 „S“ die Richthofener dabei tatkräftig. Insgesamt war es das vierte Mal, dass diese Übung im internationalen Rahmen durchgeführt wurde. Seit 2013 ist sie fester Bestandteil in der israelischen Luftwaffe und wird alle zwei Jahre multinational durchgeführt. Neben Israel und
Deutschland beteiligten sich auch die Nationen Italien, Griechenland und die USA an der Übung.

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Teilnehmernationen Blue Flag 2019 (Quelle: Luftwaffe/Hildemann)

Die Besonderheit in diesem Jahr war, dass die deutschen EUROFIGHTER zum ersten Mal zusammen mit einem Flugzeug der fünften Generation, der F-35, gemeinsame Szenarien trainieren konnten. Bereits eine Woche vor dem Hauptkommando reisten Soldaten nach Israel, die unter anderem den Flugbetriebsbereich und die dazugehörigen Shelter (Flugzeughallen) für den Flugdienst vorbereiteten, für den Aufbau des gesamten IT-Netzes zuständig waren, Bodendienstgeräte auf ihren Einsatz vorbereiteten und viele andere Arbeiten durchführten, um den kommenden Flugbetrieb zu gewährleisten. Es mussten über 60 Computer, 30 Telefone und mehrere Drucker installiert und aufgebaut werden. Ohne funktionierende Computer und Telefone wäre die Übungsteilnahme nicht
denkbar. Mit einem Tag Verspätung und Zwischenlandungen in Italien und auf Kreta landeten die EUROFIGHTER am Abend auf der Uvda-Luftwaffenbasis der israelischen Luftwaffe.

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Die Eurofighter kommen am Abend auf der Ovda Airbase in Israel an, am 20.10.19

Dabei mussten die „Crew Chiefs“ beim Einwinken der Flieger besonders aufmerksam sein, denn die Shelterbereiche sind für das kleinere Flugzeugmuster F-16 ausgelegt. In der Negev-Wüste gelegen, 12000 Quadratkilometer groß und kaum besiedelt, bietet die Uvda-Airbase geradezu ideale Bedingungen für Übungen dieser Dimension. In den darauffolgenden Tagen trainierte die Luftwaffe noch vorab mit den israelischen Kräften. Für Deutschland ist das gemeinsame Vorab-Training dabei von besonderer Bedeutung, denn die israelischen Streitkräfte werden nicht unbegründet von vielen
Experten als eine der besten der Welt bezeichnet. Trainiert wurden während der zweiwöchigen Übung vor allem Luftoperationen im multinationalen Verbund. Als oberste Prämisse galt also: „train as you fight, fight as you train“. Trainiert werden sollte also so realitätsnah wie möglich. Auch wenn die Szenarien fiktiv und die Ausgangslage eine gänzlich andere war, beschrieben sie jedoch eine sehr realistische Bedrohung, bei der es hauptsächlich um den Kampf um Wasser und Bodenschätze ging. In Zeiten des Klimawandels steigt die Gefahr latenter Auseinandersetzungen im Kampf um natürliche
Ressourcen. Insgesamt waren rund 50 Kampflugzeuge und über 1000 Soldaten im Einsatz. Neben dem EUROFIGHTER und der F-35 nahmen auch F-15- und F-16-Kampfflugzeuge an der Übung teil. Am Sonntag, den 3. November 2019 begann offiziell die Übung „Blue Flag“. ‚Warum am Sonntag?‘, wird sich der ein oder andere nun denken. In Israel beginnt die Arbeitswoche am Sonntag und endet am Samstag. Am Freitagabend beginnen die Vorbereitungen für den Shabbat, auch Sabbat genannt, da der Samstag der heilige Ruhetag ist an dem nicht gearbeitet werden darf. Der Shabbat ist ein
traditionelles fest und in der jüdischen Woche der siebte Tag der Woche und somit der Ruhetag. Drei EUROFIGHTER starteten also bei strahlendem Sonnenschein und bestem Wetter in den israelischen Luftraum. Perfekte Bedingungen also für den „familiarization flight“ – dem sogenannten Kennenlernflug. Um das Gelände und die geographischen Besonderheiten kennenzulernen, flogen die teilnehmenden Nationen, angeführt von den israelischen Gastgebern mit ihren F-15 und F-35, im Formationsflug über Israel. Das Besondere der topographischen Gegebenheiten in Israel ist, dass
viele Teile der Region weit unter dem Meeresspiegel liegen, was etwas Außergewöhnliches für die EUROFIGHTER-Besatzungen darstellt, denn fast nirgendwo sonst zeigt der Höhenmesser im Cockpit eine Höhe unter null an. Auch die schroffe Oberfläche, die hohen Berge und die spärliche Vegetation
stellten dabei eine Besonderheit dar.

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Blick aus dem Eurofighter beim Überflug der Negev Wüste bei der Übung Blue Flag 2019 auf der Uvda Air Force Base, am 03.11.2019.

Bei allen diesen verschiedenen Szenarien diente die Übung vor allem dazu, fliegerische Verfahren zu testen und zu harmonisieren sowie verschiedene Luftoperationen mit verschiedenen Flugzeugtypen 2 und ungewohnter Topographie zu üben. Dabei konnten die Fähigkeiten jedes einzelnen Piloten weiter ausgebaut, ein Gefühl für die Besonderheiten der jeweils anderen Waffensysteme und Vertrauen gegenüber Kameraden anderer Nationen aufgebaut werden. Die Zeitfenster im täglichen Flugbetrieb
waren sehr eng bemessen. Die Piloten mussten auf den Punkt zum Taxiway, mussten auf den Punkt auf der Last Chance stehen und auf den Punkt auf der Landebahn sein. Sobald das Zeitfenster nicht eingehalten werden konnte, war der sogenannte Slot weg und der Flug konnte nicht stattfinden. Warum war das so? Bei einem dermaßen hohen Flugaufkommen von 40 Maschinen und mehr ist Planung und Koordination das „A und O“. Was auch der Grund dafür war, dass die Zeit so knapp bemessen war. Maschine nach Maschine rollte zur Startbahn und für Verzögerungen war schlichtweg
kein Platz, um den Flugbetrieb wie geplant stattfinden zu lassen. Mit einem Puffer von 15 Minuten konnten aber alle Flüge wie geplant durchgeführt werden und kein Slot ging verloren.

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bei der Übung Blue Flag 2019 auf Uvda Air Force Base, am 03.11.2019.

Neben den Piloten tauschte sich aber auch das technische Personal mit den anderen Nationen aus. So wurden Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede im technischen Ablauf, der Ausbildung oder bei den Inspektionen festgestellt. Das Interesse an dem jeweils anderen Waffensystem war auf beiden Seiten groß und so bestand für die Soldaten die Möglichkeit, die F-15 und auch die F-16 der israelischen Luftwaffe näher zu betrachten. Immer wieder lobenswert erwähnt wurde der Shelterbereich in dem die deutschen EUROFIGHTER standen. Dies machte sich vor allem auch dadurch bemerkbar, dass sich immer wieder Besuchergruppen diesen Bereich ansahen. Das Medieninteresse an dieser Übung war sehr groß, denn dass deutsche EUROFIGHTER mit dem
Eisernen Kreuz und F-15-Kampfjets mit Davidstern eine Formation bilden, symbolisiert auch 74 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust die Sensibilität des Themas.

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Israelische F-15 und deutscher EUROFIGHTER kurz vor dem Take-Off (Quelle:
Luftwaffe/Hildemann)

Besonders schön ist es daher, dass eines schon im Vorfeld der Übung deutlich spürbar war: Viele Soldatinnen und Soldaten der deutschen und israelischen Einheiten sprachen nicht mehr nur von Partnerschaft, sondern von Freundschaft. Das zeigte sich spätestens am sogenannten Nationsday. Bei der „Icebreaker Party“ boten länderspezifische Stände Kulinarisches der jeweils teilnehmenden Nationen und so wurde sich um das leibliche Wohl aller Soldatinnen und Soldaten gesorgt. Nach der Ansprache des israelischen Base Commanders der Uvda-Airbase und des deutschen Kommandoführers, Oberstleutnant Manuel Last, der ein Großteil seiner Rede auf Hebräisch hielt und dafür viel Applaus bekam, eröffnete die Airforce-Band den Abend. Neben dem Inspekteur der
Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, besuchte auch der Generalstabchef der israelischen Streitkräfte, Generalleutnant Aviv Kochavi, die deutschen EUROFIGHTER. Das Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe aus Berlin berichtete täglich über die Übung. Sie machten unermüdlich Bilder und Videos, führten Interviews, stellten viele Bereiche und Fachgruppen rund um den EUROFIGHTER vor und gaben den Soldaten somit die seltene Möglichkeit, Freunden und Familien sehr umfangreich zu zeigen was genau dort in Israel passierte. Einige wenige Soldaten wurden auch von den israelischen Medienteams interviewt, gefilmt und fotografiert und waren somit – nach Absprache – auf verschiedenen Plattformen wie Facebook oder Instagram zu sehen.

Für die Luftwaffe und die mitgereisten Soldatinnen, Soldaten und zivilen Mitarbeiter war „Blue Flag 2019“ insgesamt eines der anspruchsvollsten aber auch eines der schönsten Kommandos der letzten Jahre.

Hauptfeldwebel Puhl Enrico, Wtg/WaStff TaktLwG 73 „S“