Vom Schüler zum Lehrer

 

Eine Karriere beim Waffensystem EUROFIGHTER!


Bei der Luftwaffe gibt es vielfältige Möglichkeiten, beruflich seine ganz persönliche Erfüllung zu finden. Die vorrangig fähigkeitsorientierten Verwendungen sind für Bewerberinnen und Bewerber attraktiv.
Am Beispiel von Hauptmann Mario Röser soll der Werdegang eines Fluglehrers für das Waffensystem EUROFIGHTER aufgezeigt werden.

 

Am EUROFIGHTER, Hauptmann Mario Röser vorm


Das Taktische Luftwaffengeschwader 73 "Steinhoff" hat seit 2005 rund 50 Fluglehrer für den EUROFIGHTER ausgebildet. Hptm Röser ist der erste Fluglehrer, der ausschließlich auf dem EUROFIGHTER ausgebildet wurde. Bis auf Hptm Röser hatten alle diese Fluglehrer Vorerfahrung auf anderen Waffensystemen der Luftwaffe, wie zum Beispiel der F-4F PHANTOM oder dem TORNADO.
Hauptmann Röser wurde am 10.April.1986 in Freiberg in Sachsen geboren. Im Anschluss an die Hochschulreife startete er im Juli 2004 seine Karriere bei der Bundeswehr. Sein Weg führte ihn aber zunächst nicht in die Luftwaffe. Hauptmann Röser trat seinen Dienst beim Heer an und verbrachte die ersten 14 Monate bei der Artillerie, bevor er im September 2005 zur Offiziersschule der Luftwaffe versetzt wurde.


Herr Hauptmann weshalb haben Sie sich für eine Laufbahn bei der Bundeswehr entschieden?


In der heutigen Zeit ist Frieden keine Selbstverständlichkeit. Die Bundeswehr trägt seit 60 Jahren zur Friedenssicherung bei. Dazu will ich meinen Beitrag leisten und das gab den Ausschlag, zur Bundeswehr zu gehen.

 

Die Entscheidung für den Beruf Soldat sorgt oftmals für reichlich Gesprächsstoff innerhalb der Familie und dem Freundeskreis. Inwiefern war dies in Ihrem Fall ein Thema?


Im Familienkreis war es kein Thema, in meinem Freundeskreis sorgte meine Entscheidung schon für Gesprächsstoff, wobei letztlich mein Entschluss respektiert wurde.

 

Der Entschluss Jet-Pilot werden zu wollen reifte erst nach dem Eintritt in die Bundeswehr. Was gab bei Ihnen hierzu den Anstoß?


Der feste Entschluss Jet-Pilot werden zu wollen bestand von Anfang an. Jedoch machten mir die Bewerbungsfristen temporär einen Strich durch die Rechnung. Dennoch empfinde ich die Zeit bei der Artillerietruppe keineswegs als Nachteil, sondern eher als Bereicherung auf meinem Weg zum Offizier.

 

Herr Hauptmann, schildern Sie uns bitte wie Ihre Laufbahn bei der Luftwaffe begann.


Meine Versetzung zur Offiziersschule der Luftwaffe war der erste Schritt in Richtung Jet-Pilot. Dort absolvierte ich zunächst den Offizier-Lehrgang. Im Anschluss folgten der United States Qualification Course, die ersten Vorbereitungslehrgänge, sowie die fliegertheoretische Ausbildung. Im Januar 2007 folgte schließlich meine Versetzung in die Vereinigten Staaten, nach Good Year in Arizona. Dort begann meine praktische Ausbildung mit der Grob 120A. Nachdem ich zur Sheppard Air Force Base im Bundesstatt Texas versetzt wurde, folgte die weitere Ausbildung auf T-37 und T-38C.

 

Nachdem Sie Ihre fliegerische Grundausbildung absolviert hatten folgte die Versetzung zur Fliegenden Gruppe beim Jagdbombergeschwader 32 in Lechfeld. Wann erfuhren Sie, dass sich für Sie die Chance auftat, EUROFIGHER-Pilot zu werden?


Davon erfuhr ich 2008 im August während meines Urlaubs. Mein damaliger Vorgesetzter aus Sheppard hat mir die freudige Botschaft übermittelt.

 

2009 wurde der erste Basic-Course für Flugschüler innerhalb der Ausbildung zum EUROFIGHTER-Pilot auf die Schiene gebracht. Hierbei handelt es sich um die Ausbildung der Piloten, welche zuvor noch keine Erfahrung auf einem fliegenden Waffensystem der Luftwaffe gesammelt haben. Zusammen mit einem weiteren Kameraden waren Sie Kursteilnehmer des Basic Courses. Beschreiben Sie den Lesern bitte wie die Ausbildung beim damaligen Jagdgeschwader 73 "Steinhoff", dem Ausbildungsverband für alle deutschen EUROFIGHTER-Piloten ablief.


Zunächst absolvierten wir einen achtwöchigen Therorieanteil, der Academics genannt wird. Danach machten wir uns im Simulator mit dem EUROFIGHTER-Cockpit und den fliegerischen Verfahrensabläufen beim EUROFIGHTER vertraut. Darauf aufbauend sammelten wir während der ersten Flüge Erfahrungen beim Instrumentenflug und bei Start und Landung. Den Höhepunkt bildete hierbei der erste Alleinflug ohne Fluglehrer im hinteren Cockpit.
Nach dieser Phase des ersten "Kennenlernens" folgte die taktische Ausbildung im Luftkampf. Als erstes lernten wir im Luftnahkampf zu bestehen. Später folgten Abfangeinsätze, sowohl als einzelner EUROFIGHTER, als auch im Verbund mit mehreren Flugzeugen dieses Typs. Abschließend wurden komplexe Luftkampftaktiken unter Berücksichtigung derzeit gültiger Einsatzszenarien einstudiert.

 

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung zum EUROFIGHTER-Piloten kehrten Sie wieder in Ihren Heimatverband nach Neuburg zurück. Schildern Sie uns bitte, inwiefern Sie Ihre während der Ausbildung erlangten Erkenntnisse ab diesem Zeitpunkt einsetzen konnten.


Die während der Ausbildung erlangten Fähigkeiten konnte ich sofort anwenden, da ich schon in Laage zum Flügelmann ausgebildet wurde und somit direkt als vollwertiger Pilot in der 1. Jagdstaffel eingesetzt werden konnte.
Darauf aufbauend erlangte ich in Neuburg die QRA-Qualifikation. Diese wird benötigt, um die Sicherung des deutschen Luftraumes zu gewährleisten. Anschließend folgte die Ausbildung zur Erlangung des Status "Combat Ready". Somit konnte ich auch als Pilot an von der NATO geführten Einsätzen teilnehmen.

 

2014 fiel die Entscheidung der Luftwaffe, Sie zum Fluglehrer auf dem EUROFIGHTER auszubilden. Somit traten Sie wieder die Reise nach Laage an, wo beim Taktischen Luftwaffengeschwader 73 "Steinhoff" auch alle Fluglehrer für die Luftwaffe ausgebildet werden. Sicherlich für Sie als einer der ersten B-Course-Teilnehmer eine ganz besondere Situation. Können Sie bitte beschreiben, wie dieser Instructor Pilot Course, welchen Sie in Decimomannu erfolgreich abgeschlossen haben, abgelaufen ist und wie Sie diesen hinsichtlich der Qualität einschätzen?


Der Schwerpunkt der Fluglehrerausbildung liegt darin, dem künftigen Fluglehrer das nötige Handwerkszeug an die Hand zu geben, den Flugschüler während seiner Ausbildung zum EUROFIGHTER-Piloten bestmöglich zu unterstützen. Methodik und Didaktik spielen hierbei eine große Rolle, da jeder Flugschüler seine persönliche Art und Weise hat, das Erlernte zu verarbeiten. Die Qualität der Ausbildung wird von mir wie folgt bewertet: Ich fühle mich auf die vor mir liegende anspruchsvolle Aufgabe eines Fluglehrers sehr gut vorbereitet und freue mich schon auf die ersten Trainingsflüge mit meinen zukünftigen Flugschülern.

 

EUROFIGHTER-Start im Taktischen Ausbildungskommando der Luftwaffe Italien, Decimomannu

 

Herr Hauptmann, was sind Ihre Ziele, wenn Sie an die Ausbildung der künftigen EUROFIGHTER-Piloten denken und die verantwortungsvolle Aufgabe, die damit unmittelbar verbunden ist?

 

Wenn ich es geschafft habe, dass die von mir ausgebildeten Flugschüler den EUROFIGHTER genau so gut wie ich oder besser beherrschen, habe ich mein Ziel erreicht.

 

Sie haben in Laage bereits Schülern, Studenten, Bewerberinnen und Bewerbern Rede und Antwort gestanden. Was würden Sie abschließend einer Interessentin oder einem Interessenten für den Dienst in der Luftwaffe bzw. bei der Bundeswehr empfehlen?


Im Allgemeinen muss jedem, der bei der Bundeswehr Dienst leisten möchte klar sein, dass der Soldatenberuf auch mit Auslandseinsätzen und eventuellen persönlichen Einschränkungen verbunden ist. Die Ausbildung zum Piloten bei der Bundeswehr zieht eine längere Zeit im Ausland nach sich. Dabei sollte man bedenken, dass außer einer anspruchsvollen Lehrgangsgestaltung auch die Abwesenheit von zu Hause mit eingeplant werden muss.
Davon ab bietet dies auch die Möglichkeit, andere Länder und Kulturen kennen zu lernen. Insgesamt ist der Dienst bei der Luftwaffe ein fordernder, abwechslungsreicher und sehr interessanter Beruf, bei dem Kameradschaft und das Miteinander einen hohen Stellenwert haben. Jeder hat die Chance, sich zu bewähren und den für sich eigenen Weg einzuschlagen, um beruflich zufrieden zu sein.

Hauptmann Röser, vielen Dank für das Interview. Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit und, dass Sie den Lesern die Ausbildung und Ihren Ausbildungsweg bis zum Fluglehrer auf dem EUROFIGHTER bei der Luftwaffe näher gebracht haben.

 

StFw Matthias Dickopf
Stab FlgGrp TaktLwG 73 "S"