Meine 20 "Kranich"-Jahre

Wenn ich "Meine 20 "Kranich"-Jahre" schreibe, dann meine ich die Blätter, welche ich ab dem dritten Heft des Jahres 2000 beschrieb und die im DER KRANICH veröffentlicht wurden. Im nächsten Heft waren es dann schon zwei Artikel und im Jahre 2001 war mit der Schreiberei Schluss: Das Heft DER KRANICH erschien nicht mehr, ein Jahr war Ruhe. Bis zum Jahresbeginn 2002, wo er mit aktiver Hilfe eines neu von (damals) Hauptmann Frank Kiel gegründeten Redaktionsteams bis zum heutigen Tag erscheint.

 

Spotterhügel im Jahr 2004

 

Das erste Heft hieß "(Not)-Kranich", und so sah es auch auf 42 Seiten aus. Es waren 500 Exemplare, die mit eigenen technischen Mitteln des Geschwaders per Hand hergestellt waren. Im zweiten Heft sagte der damalige Kommodore Oberst Knut Rütze schon in 1300 Exemplaren: "In diesen Zeiten ist vieles von Veränderungen und Neuerungen geprägt und daher ist ein wenig Bewährtes wie unsere Geschwaderzeitung genau richtig." Der Neubeginn war nicht leicht. Es fehlten Autoren - sie mussten vor allem aus dem Geschwader gewonnen werden. Der "Not-Kranich" kam auf 42 Seiten und das zweite komplette Heft kam schon auf 72 Seiten. Heute pendelt die Seitenzahl um 80 bis fast 100 Seiten pro Heft. Der erste redaktionelle Artikel des neuen Heftes hieß "Ornithologie" und da stand in Fettdruck "Greif zur Feder Kumpel". Damals eine Aufforderung und ein Wunsch, heute reale Gegenwart. Die Redaktion muss nicht nur darauf achten, dass die Beiträge rechtzeitig dabei sind, sie hat vor allem über die vielen Jahre - ganz gleich wer in der Redaktion saß - die Qualität der Artikel, ja - die Qualität des gesamten Heftes, sein Outfit so im Auge gehabt, dass es Stück für Stück auf das heutige hervorragende Niveau gebracht werden konnte. Der Quantensprung gelang mit dem bis dahin in Schwarzweiß erscheinenden ersten farbig gestalteten dritten Heft 2003. Nicht ohne Grund. Die zweite bunte MiG-29, die 29+10, wurde für den letzten USA-Besuch vorbereitet und musste natürlich farbig in das Heft gebracht werden. Die damaligen Leutnant Steve Schading und Oberfähnrich Erik Pflanz hatten gemeinsam mit (inzwischen) Major Kiel das Glanzstück fertig gebracht. Denn ich erinnere mich, dass zu dieser Zeit die Geschwaderzeitungen der Luftwaffeneinheiten noch schwarzweiß gedruckt wurden. Als ich zum Beispiel im März 2004 nach Trollenhagen kam und dem Protokollchef, einem Major, vorgestellt wurde, übergab ich ihm die letzten zwei bunten "DER KRANICH"-Hefte - und was sagte er mir erstaunt und mit unverhohlenem Neid in der Stimme: "Ihr habt einen freien Mitarbeiter und die Hefte sind auch noch in Farbe?" Farbe war damals noch nicht üblich. Das heutige Äußere des DER KRANICH wurde danach jedoch noch einmal geändert. Anlass war der 50. Gründungstag 2009 des Jagdgeschwader 73 "Steinhoff" im vergrößerten goldgerahmten Heftumschlag. Dem folgte im nächsten Heft der metallic graue Umschlag im Jahre 2009. Der EUROFIGHTER klopfte an die Tür. Mit dem "Kranich"-Schreiben hatte ich begonnen, weil ich - oder besser wir, die Planespotter - über einen unsachlichen Artikel in der Ostseezeitung erbost waren. Wir wollten kundtun, dass es auch für das Jagdgeschwader freundlich gesinnte Menschen gibt. Major Peter Meisberger nahm mich damals mit in die 1. Staffel und machte mir Mut, über das Erlebte zu schreiben. Ich brauchte also nur noch beim damaligen Staffelkapitän Oberstleutnant Jürgen Schumann vom Pförtner aus anzurufen, um mit meinem weißen Golf zur Staffel fahren zu können. Fotografieren war kein Problem. Allein diese beiden Sätze sind heute nicht mehr denkbar. Denn die Situation hat sich gegenüber der "Wendezeit" bis heute gravierend verändert. Wir glaubten damals unserer Friedenswunsch erfülle sich, um heute in ganz Europa tagtäglich das Gegenteil miterleben zu müssen.

 

Diese sechs Piloten brachten am 27.April 2004 die ersten drei EUROFIGHTER ins Geschwader

 

In den vergangenen sechzehn Jahren habe ich über 100 Artikel im Kranich geschrieben. Die meisten waren Direktes aus dem Geschwaderleben. Themen waren die Verlegungen ins Ausland, die zahllosen Gäste im Geschwader, der neue Flieger, der EUROFIGHTER, mit seinem ganzen Drum und Dran, natürlich jede der Verlegungen nach Polen und Interessantes aus der Fliegerwelt. Zwei Fotos sind dabei besonders in meiner Erinnerung: die Spotter-Verabschiedung der letzten MiG-29 am 4. August 2004 vom Hügel, der heute nicht mehr existiert, und natürlich die ersten sechs EUROFIGHTER-Piloten bei der Einführung der fünf Flieger am 30. April 2004 in Laage. Eine besonders eindrucksvolle Zeit erlebte ich im Frühjahr 2004. Nach einigen Gesprächen in der 1. Staffel stellte mir Oberstleutnant Udo Sadzulewski sein Material der Mitschriften des ersten westdeutschen Geschwader-Kommodore, Oberst Manfred Menge, zur Verfügung. Damit konnte ich sachkundig und wirklichkeitsnah über die zunächst schwierigen Jahre ab dem 27. September 1990, bis hin zur Übergabe der MiG-29 an die polnische Luftwaffe schreiben. Die Geschichte der 1. Staffel wurde im Jahre 2004 im ersten Heft veröffentlicht. Jahre später habe ich vom ersten DER KRANICH 1996 an alle die MiG-29 betreffenden Titel gezählt. Es sind 101 Artikel, die von 49 Autoren geschrieben wurden.

Hunger hat DER KRANICH jedoch immer noch. Doch inzwischen haben sich eine stattliche Menge an neuen schreibbegeisterten Geschwadermitgliedern oder außerhalb des Geschwaders stehenden Freunden entwickelt, die ideenreich bereit und in der Lage sind, für bestes Futter zu sorgen.

 

Peter Heiner, Schwaan