Kommando Deci 2014

 

Freitag, der 13. Und der Flugbetrieb in "Deci" begann…


… wäre man abergläubisch, man könnte meinen, das Kommando stand unter einem schlechten Vorzeichen. In der unmittelbaren Vorbereitung der Verlegung sorgten das ständige Hin und Her und nahezu stündliche Änderungen, die von außen in das Geschwader einwirkten, für reichlich Unruhe im Bereich der Technik.

 

Auf geht’s, Nachbrennerstart EUROFIGHTER

 

So war zum Beispiel nicht klar, ob alle EUROFIGHTER mit Außentanks verlegen können und die äußeren Flügellaststationen (ITSPL - integrated tip stub pylon launcher) waren nur unter Auflagen zum Anbau von IRIS-T-Lenkflugkörpern oder Flugprofilrekordern freigegeben.

 

 

Also haben die Waffenjungs und -mädels der Wartungs- und Waffenstaffel "mal schnell" die äußeren Flügellastträger und zusätzliche Startschienen (outboard wing pylons mit MFRL-multifunction rail launcher) angebaut, um hier die IRIS-T beladen zu können.

 

Die Kameraden der Instandsetzungs- und Elektronikstaffel hatten diese dann zu prüfen, was je Flugzeug einen Arbeitsaufwand von mehreren Stunden bedeutete. Gleichzeitig wurden zwei Kameraden des Systemunterstützungszentrums Erding zur zerstörungsfreien Rissprüfung der Aufhängebolzen der ITSPL am Flugzeug mit für das Kommando eingeplant und nach Laage in Marsch gesetzt.

 

Vielen Dank für die sehr kurzfristige Unterstützung. Einer der Kameraden hat immerhin seinen Urlaub für unser Kommando geopfert.

 

Als freudige Nachricht zum Wochenende vor der Verlegung wurde der Tragflug von Außentanks wieder für alle Luftfahrzeuge freigegeben. Die erste Hürde war genommen, doch gleichzeitig baute sich eine weitaus höhere Hürde neu auf. In der technischen Vorschrift wurde eine neue Prozedur zur Analyse und Behebung von Störungen am Luftfahrzeug (NOGO-Handling Procedure) aufgrund von Problemen an Flugzeugen der saudischen Luftwaffe veröffentlicht.

 

Dieses neue, unausgereifte Verfahren führte am Verlegungstag zu acht Ground Aborts, das bedeutet: die Flugabsicht muss aufgrund von am MDP (maintenance data panel) angezeigten Störungen nach Anlassen der Triebwerke abgebrochen werden. Intensive Bemühungen der Prüfgruppe, der Geschwaderführung und auch der Kommandobehörden in Köln machten es schließlich möglich, dass alle 20 EUROFIGHTER wie geplant am 12. Juni 2014 nach Decimomannu/Sardinien verlegt haben und anschließend das Hauptkommando mit 172 Passagieren von Laage zum Flughafen Cagliari/Elmas fliegen konnte.

 

Dank der fleißigen Arbeit des Vorauskommandos konnte das Beziehen der Unterkünfte und das Bereitstellen des Gepäcks zügig abgewickelt werden. Der Abend wurde dann noch deutlich vor dem Anpfiff des Fußballspiels Brasilien-Kroatien mit einem Welcome-Beer für alle neuen Kommandoteilnehmer begonnen. Währenddessen lief das Einspielen der Flugzeugdaten im ESS auf Hochtouren und die Auswertung der Flüge nach "Deci" und die entsprechende Störbehebung wurde durch die Kameraden des Vorkommandos ausgeführt.

 

Dank des hohen Engagements aller daran Beteiligten war es möglich, dass am Freitag, dem 13. der Ausbildungsflugbetrieb pünktlich um 8.00 Uhr beginnen konnte.

 

Eurofighter, deutsch-sardische Einweisung

 

Dieser Kommandobeginn war ein Paukenschlag. Nicht nur, dass erstmals in der EUROFIGHTER-Geschichte 20 Flugzeuge an einem Tag verlegt wurden, sondern auch dass am nächsten Tag 18 Flüge mit sechs erfolgreichen Ausbildungsmissionen stattgefunden haben, als wäre dies selbstverständlich. Bravo, gut gemacht.


Auch wenn nicht funktionierende Klimaanlagen bei tagsüber bis zu 42 Grad Celsius im Schatten das Leben nicht gerade leichter machten, war die Stimmung gut und der Flugbetrieb verlief in den Folgetagen reibungslos. Der Aufwand für die Technik durch die erforderlichen Datenauswertungen und die Überprüfung der Waffenträger zwischen den Flügen war deutlich höher als in den Kommandos der Vorjahre. Das war eine echte Herausforderung und das Flugprogramm musste entsprechend angepasst werden.

 

Trotzdem gab es nahezu keine Sortieverluste und das Ausbildungsprogramm der Fliegenden Gruppe konnte sehr erfolgreich umgesetzt werden. Der Schwerpunkt lag auf der Grundlagenausbildung im Luftkampf für den B-Kurs und der Abschluss des Umschulungslehrgangs. Ein weiteres Augenmerk lag in der Rottenführer- und Fluglehrerausbildung. Des Weiteren konnte die Ausbildung Seetiefflug sowie Weiterbildung des Fluglehrpersonals durchgeführt werden. Mit Unterstützung durch zwei A-4 Skyhawk der Firma BAE sowie zwei Learjets der Firma GFD als Feindzieldarstellung wurden täglich Luft-Luft-Operationen geflogen.


Durch die Firma GFD wurde zudem die Möglichkeit für Mitflüge angeboten. Als Anerkennung für besondere Leistungen im Verlauf des Kommandos wurden durch die einzelnen Bereiche dafür gemeldet. Für sein langjähriges Engagement im Bereich der Materialsteuerung wurde Hauptfeldwebel Peter Kaliß mit einem Mitrollen im EUROFIGHTER ausgezeichnet.


Zwar blieb die Zahl der erfolgreich absolvierten Ausbildungsmissionen leicht unter dem Plan (B-Course: 29 von 31, Rottenführerausbildung: zehn von elf, Fluglehrerausbildung: sechs von acht), jedoch konnten zehn weitere Missionen im Rahmen der Weiterbildung erflogen werden. Dies wurde durch das gemeinsame Üben mit dem EUROFIGHTER-Kommando der iItalienischen Luftwaffe möglich.

 

Für die Liebhaber von Zahlen und Statistiken: Insgesamt wurden im Kommando 217 Sorties mit 264:10 Flugstunden (einschließlich der Überführungsflüge) erflogen.
Hauptmann Alexander Kubitza konnte gleich am ersten Kommandotag seine Umschulung zum EUROFIGHTER-Piloten erfolgreich abschließen, Hauptmann Frank Röchow konnte im Kommandoverlauf seine Ausbildung zum Rottenführer beenden.
Nicht vergessen werden soll die tägliche Anstrengung aller am Wartungs- und Instandhaltungsprozess der Flugzeuge Beteiligten (die Warte mögen mir verzeihen, wenn sie hier mal nicht im Vordergrund stehen).

 

Oft sind es die kleinen Bausteine, die den Gesamterfolg ausmachen, wie zum Beispiel durchzuführende Reparaturen, Inspektionen oder die Beschaffung dringend benötigter Ersatzteile und deren Nachschub aus Deutschland, organisiert durch die Kameraden der Materialsteuerung und von der Teileinheit Annahme und Versand. Nur so konnte der technische Klarstand hoch gehalten werden und alle Flugzeuge für die Rückverlegung wieder "flott" gemacht werden.

 

Eurofighter, morgendliche Ruhe vor dem Sturm

 

Positiven Anklang fand, dass es in diesem Kommando erstmals gelungen ist, allen Beteiligten die Teilnahme am Kommandofest zu ermöglichen. Erstmals führten wir das Fest in der italienischen Betreuungseinrichtung auf dem Flugplatz durch - in der Pizzeria und nicht im Deutschen Haus. Zum einen haben Qualität und Quantität der Versorgung im Deutschen Haus deutlich abgenommen und zum anderen wollten wir mal "was Neues" ausprobieren. Trotz zahlreicher Gespräche und Vereinbarungen im Vorfeld mussten wir feststellen, dass uns in mancher Hinsicht die italienische Gelassenheit fehlt.

 

Fehlende Stehtische und zu wenig Sitzgelegenheiten sowie der (für uns Deutsche) zu späte Anstich der Bierfässer taten letztlich der guten Stimmung keinen Abbruch. Zu essen gab es ebenfalls reichlich und gut, auch wenn die Nachschubversorgung aufgrund des Ansturms von 300 Leuten anfangs ins Stocken geriet. Etwas mehr Kameradschaft und Rücksicht beim "Volladen" der Teller der ersten am Tresen wäre schön gewesen.

 

Alles in allem war der Abend schön, es gab lecker Essen und Getränke und das "Stehbankett" bot ausreichend Gelegenheit für gute Gespräche.
Ebenfalls gut angekommen ist, dass für die WM-Spiele der deutschen Nationalelf in der Technik Dienstunterbrechung vereinbart wurde. Jeder konnte mit der Mannschaft auf dem Rasen mitfiebern und anschließend wurden die Flugzeuge weiter klar gemacht für den Folgetag.


Leider verlief die Rückverlegung nicht ganz so wie geplant, wobei man zugeben muss, dass der ursprüngliche Plan mit der Verlegung aller 20 EUROFIGHTER und des Hauptkommandos an einem Tag, noch dazu an einem Freitag, mehr als ambitioniert war. Aufgrund des guten Ausbildungsfortschrittes war es möglich, acht EUROFIGHTER bereits am Donnerstag in die Heimat zu entsenden (einen davon zur Inspektion ins EKZ in Manching). Die restlichen zwölf Flugzeuge sollten am Freitag folgen. Einer der EUROFIGHTER war gezwungen, aufgrund eines technischen Problems, nach einer halben Stunde zurückkehren nach "Deci".

 

Für die Reparatur musste zusätzliches Personal vor Ort bleiben und konnte nicht mit dem Hauptkommando in die Heimat zurück. Der Fehler konnte glücklicherweise schnell behoben werden, so dass der Abholung durch einen weiteren EUROFIGHTER am Montag nichts mehr im Wege stand.


Auch das Hauptkommando konnte nicht wie ursprünglich geplant zurück verlegen. Aufgrund der strengen Vorschriften bezüglich der Ausmaße von Rollwegen der französischen Luftwaffe war eine Landung des Airbus A-340 in Laage nicht möglich. Leider wurde uns dies erst etwa 24 Stunden vor dem geplanten Flug mitgeteilt. Alle Überzeugungskraft und Hinweise, dass der A-340 der Lufthansa bei der Indienststellung der neuen Terminals der FRLG und auch die Airforce One des US-Präsidenten auf unserem Flugplatz landen, rollen und wieder starten konnten, nützten nichts.

Deshalb wurde der Flug nach Hamburg umgeplant und das Personal und Gepäck mussten von dort nach Laage abgeholt werden.

 

Vielen Dank nochmals von dieser Stelle für die tatkräftige Unterstützung bei der Organisation innerhalb eines halben Tages!
Alles in allem war es ein gelungenes und erfolgreiches Kommando. Und vielleicht gibt es ja im nächsten Jahr ein Wiedersehen in "Deci".

 

Hptm Volker Schuricht
Stab TaktLwG 73 "S"