Erster Flugdienst für den neuen Pilotenhelm

 

Mit der Genehmigung zur Nutzung im Flugbetrieb des neuen Pilotenhelms inklusive des luftfahrzeugseitigen Systems HEA (Head Equipment Assembly) im Februar 2015 ging eine dreistufige Einführungsphase in der Luftwaffe zu Ende. Schon mit deutlichem zeitlichem Vorlauf wurden Einrüstungen in einigen Luftfahrzeugen für das HEA-System durch die Technik vorgenommen und ausgewählte Piloten erhielten eine maßgetreue Anpassung ihres persönlichen Helmes. Die Ungeduld unserer Luftfahrzeugführer (LFF) zur Nutzung des neuen Helmsystems im Flugdienst war somit groß.

 

HEA-Helm mit luftfahrzeugseitigen Gesamtsystem


Der bisher genutzte ACS-Helm erfüllt die klassischen Forderungen an einen Pilotenhelm nach Schutz, Kommunikation, Sauerstoffversorgung und Komfort. Der neue HEA-Helm mit seinem luftfahrzeugseitigen Gesamtsystem erweitert die klassischen mit zusätzlichen Funktionen. In das HEA-Visier können im ständigen Sichtfeld des LFF Waffenanzeigen, Flugreferenz- und Fluglagedaten eingespielt werden. Verschiedene ausgewählte Sensoren, wie das Radar oder die Suchköpfe von Kurzstreckenmissles, lassen sich jetzt über den Blickwinkelt des LFF steuern und eine Zielvoreinweisung für diese Sensoren wird möglich. Diese zusätzlichen Funktionalitäten bringen ein erhöhtes Gewicht des HEA-Helmes im Vergleich zum herkömmlichen ACS-Helm mit sich.

 

Vergleich ACS- und HEA-Helm

 

Hohe Erwartungen an System HEA

Für den DER KRANICH begleiteten wir Oberstleutnant Dirk Pingel (LFF und Leiter TTVG) vor seinem Erstflug.
Hauptmann Frank Fust: "Was erwarten Sie vom neuen System HEA?"
Oberstlt Pingel: "Es wird einige Veränderungen der visuellen Darstellung im Cockpit mit sich bringen und eventuell neue taktische Vorteile bieten, jedoch kann man dies am Boden noch nicht klar für sich feststellen. Des Weiteren wird man mit dem neuen System die Handhabung der Waffen, speziell die IRIS-T, in der digitalen Zukunft erweitern."
Hptm Fust: "Wie verliefen die Vorbereitungen auf das neue System bis jetzt?"
Oberstlt Pingel: "Es gab zunächst erst die Anpassung des Helmes an sich, danach folgte eine Einweisung in das Handling. Hierzu gehört das Anschließen der Leitungen, sowie Visiermechanismen. Heute wird dann alles zusammen direkt am und im Luftfahrzeug durchgespielt. Auch ein kurzer Funktionstest gehört dazu."
Hptm Fust: "Wurde eine separate Schulung für das HEA-System bei den Piloten durchgeführt?"
Oberstlt Pingel: "Es gibt eine Standardisierungsanweisung und eine Präsentation, die alle notwendigen Funktionalitäten beschreibt. In einer Unterrichtung, die zur Zeit Oberstleutnant Stefan Mohler in unserem Geschwader hält, wird das gesamte Verfahren zum Anlegen des HEA-Systems sowie der Einstieg ins Luftfahrzeug beschrieben. Weitere Erläuterungen über die Funktionsweisen im Cockpit und die Anzeigen folgen. Auch Testberichte aus den Erprobungen sind dort inhaltlich aufgearbeitet und werden den Piloten nahe gebracht. Mehr und mehr fließen auch die ersten praktischen Geschwadererfahrungen in die Vorbereitung mit ein."

 

Oberstleutnanat Pingel bei der Flugausrüstungsanpassung vor seinem ersten Flug

 

Qualitätssicherung ohne Probleme

Bis Ende April 2015 wurden etwa 40 Sorties im Geschwader mit dem neuen HEA-System durchgeführt. Das Gesamtsystem übertraf die technischen Erwartungen und arbeitete sehr stabil. Hauptfeldwebel Christian Schade, Qualitätssicherungsmeister R&S: "Bis jetzt hatten wir im Flugausrüstungsbereich keinerlei technische Probleme. Auch die Anpassung des Helmes an die speziellen Bedürfnisse des Piloten zeigte sich unkompliziert, gerade wenn man bedenkt, dass sowohl der Helm als auch die Atemmaske und die gesamte Verkabelung neue Bauteile sind. Für die Durchhaltefähigkeiten benötigen wir weiteres Bodengerät, insbesondere eine zweite Helmtestbank und der Ausbildungsstand unseres Personals muss sich erhöhen."
Ähnlich positiv äußern sich die LFF über die klassischen und neuen Funktionalitäten des HEA-Helms und Systems. Oberstlt Mohler, LFF und S3E im Geschwaderstab: "Der HEA-Helm zeigt sich erstaunlich tragefreundlich mit einer hohen Geräuschdämmung, was sich unerwartet positiv auf die Kommunikation auswirkt. Man merkt natürlich das erhöhte Gewicht und die ungewohnte Gewichtsverteilung. Beim Einsatz muss man seinen Zielen immer mit einer Kopfbewegung folgen und nicht nur die Blickrichtung ändern, was insbesondere in Grenzbereichen der Gewöhnung bedarf. Der enorme Vorteil des Systems liegt aber in Funktionserweiterungen. Ich habe meine Flugparameter ständig im Blick. Wesentlich schneller und flexibler lassen sich Ziele aufschalten und das Radar steuern. Das zukünftige Potenzial im taktischen Einsatz kommt erst voll zum Tragen, wenn viele LFF dieses System gleichzeitig nutzen und auch alle entsprechenden Waffen digital an das Luftfahrzeug integriert sind."

 

Luftfahrzeugführer (LFF) vor dem Flugdienst im Eurofighter

 

Resümee

Zusammenfassend verzeichnete das Geschwader eine erfolgreiche Einführungsphase des HEA-Systems in den Flugdienst und eine positive Stimmung in der Breite der Truppe über die Funktionalität und technische Stabilität. Es sollte nicht verwundern, wenn erst die Zukunft die noch bestehenden Herausforderungen löst.

 

Oberstlt Robert Seibt
Stab TGrp TaktLwG 73 "S"

 


ITO Umzüge

 

EUROFIGHTER 

 

Heine

 

GFD



 


 


 

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