Erste Verlegung mit A-400M

Erstmals zur Verlegung zum Kommando DACT 2016 (Dissimilar Air Combat Training- Luftkampftraining mit verschiedenen Luftfahrzeugmustern) wurde durch das Logistikzentrum in Wilhelmshaven sowie das EATC (European Air Transport Command - Europäisches Lufttransportkommando) in Eindhoven der Lufttransport von Personal und Material mit dem neuen Transportflugzeug Airbus A-400M Atlas angekündigt.

 

A400 M Luftwaffe Bundeswehr

 
Aufgrund der Entfernung bis Gran Canaria wäre ein Transport mit diesem Flugzeug schön und sinnvoll, jedoch hätten wir in der Vorbereitung der Verlegung nicht zu träumen gewagt, den A-400M als Transportmittel zu bekommen. Wir planten also brav gedanklich die Hinverlegung des Vor- und Hauptkommandos mit zwei C-160 TRANSALL. Plötzlich ein Anruf aus Eindhoven vom Büro strategische Planung von Lufttransporten: "Wäre es nicht sinnvoller, die Kapazität des A-400M für die Verlegung zu nutzen und das gesamte Personal des Vor- und Hauptkommandos sowie das Material in einem Flugzeug an einem Tag durchzuführen?" Großartige Idee! Also schnell die Hotelbuchung geändert, was ja auch über die Bundeswehr-Verwaltungsstelle in Frankreich so kurz vorher auf einer beliebten Urlaubsinsel noch dazu zum dort stattfindenden Karneval erledigt werden konnte… Die Vorfreude bei allen Kommandoteilnehmern wuchs.
Aber wenige Tage später sollte der nächste Anruf erfolgen, diesmal vom Logistikzentrum in Wilhelmshaven: "Es gibt für euch keinen A-400M." Auf die Gegenfrage "Warum?" nur die schnelle Antwort: "Das EATC hat keine Begründung angegeben und übrigens ist eine Verlegung am 23. Februar 2016 nicht möglich. Entweder ihr fliegt am 22. oder am 26." Meine Halsschlagader schwoll leicht an und ich musste meinem Gegenüber am Telefon erstmal unsere Verlegeplanung erklären. Anreise am 22. nicht möglich, weil so kurzfristig keine Hotelzimmer zu vernünftigen Preisen zu bekommen sind und Verlegung am 26. sinnlos, weil dann schon die EUROFIGHTER in Gran Canaria landen. Wer bereitet das Kommando vor Ort vor und nimmt unsere Flugzeuge an? Die Telefondrähte begannen zu glühen. Die Verlegung am 23. Februar konnte plötzlich doch zugesichert werden, aber eine TRANSALL am Morgen mit dem Personal nach Köln. Weiter geht es mit dem Airbus A-310 der Flugbereitschaft nach Gran Canaria. Die TRANSALL fliegt zurück, nimmt das Material auf und bringt es nach Wunstorf. Von da aus Weiterflug mit dem A-400M. Also doch wieder der erhoffte A-400M. Zumindest bei den beiden Begleitern des VS-Materials keimte wieder Hoffnung auf. Doch auch diese Hoffnung zerplatzte wie eine Seifenblase. Stattdessen ging es für die beiden Kameraden in einer weiteren TRANSALL von Laage über Hohn (hier musste das Flugzeug noch dazu wegen eines Defektes ausgetauscht werden) und einen Tankstopp im spanischen Saragossa in nur zwölf Stunden nach Las Palmas de Gran Canaria. Die Verlegung des Personals über Köln und dann weiter mit dem A-310 machte durchaus Sinn, denn neben unserem Kommando stiegen auch zwei Drittel des belgischen Kommandos in den Airbus, die zur gleichen Übung unterwegs waren. Es gibt wirklich den europäischer Lufttransport und Ausnutzung von Ressourcen!
Für die Rückverlegung machten wir uns keine Hoffnungen, wenngleich auch hier in den Ankündigungen der A-400M wieder auftauchte. Bald wurde klar, dass das Hauptkommando mit einer TRANSALL zurück nach Laage fliegt - mit drei Paletten mit 5,2 t Material und 31 Passagieren. Mehr Platz ist auch nicht in der TRANSALL! Mit Zwischenstopp in Torrejon (Madrid) zum Auftanken war nach zehn Stunden Laage erreicht.

 

Geschwaderangehörige Taktisches Luftwaffengeschwader 73

 

Das Nachkommando schickte unsere drei EUROFIGHTER dem Hauptkommando hinterher. Dank bereitgestellter Luftbetankung mit A-310MRTT konnten die EUROFIGHTER nach etwas mehr als fünf Stunden sicher in Laage landen. In Gran Canaria hieß es jetzt das verbliebene Material verpacken, die vier LKW für den Land- und Seetransport beladen und die drei Paletten für den Lufttransport vorbereiten. Selbst die spanischen Kameraden des Luftumschlagzuges der Airbase Gando scherzten noch am Vortag der Abholung, welches Flugzeug gleich landen soll: eine TRANSALL, ein Airbus A-310 oder etwa doch der angekündigte A-400M?
Während wir zum letzten Mal beim Mittagessen in der spanischen Truppenküche das mit viel Knoblauch produzierte Gericht verspeisten, war unser Flugzeug still und heimlich gelandet. Wir hatten kein Brummen von Propellern gehört und warteten zur geplanten Landezeit auf den Flieger. Doch der stand bereits auf der Cargo-Rampe und die Spanier fuhren fleißig und flink unser Material zum Flugzeug. Da stand er nun wirklich, der A-400M! Nicht nur für uns war dieses Flugzeug neu, auch zahlreiche Spanier nutzten die Gelegenheit, sich diesen Flieger mal aus der Nähe anzuschauen und mit Handy oder Fotoapparat abzulichten (trotz strengen Verbotes seitens der spanischen Sicherheit).
Am 16. März 2016 konnte unser Verband mit einem A-400M zum letzten Mal verlegen. Das Flugzeug ist ein ordentlicher Brummer. Die drei Paletten wirkten im Laderaum fast ein wenig verloren, kein Stolpern mehr über Verzurrketten und -stangen beim Einsteigen dank des neuen Verriegelungssystems für die Paletten, Einzelsitze mit mehr oder weniger gut geeigneter Kopfstütze (leider relativ harte Sitzflächen für längere Reisen) und Beinfreiheit sowie Platz ohne Ende. Nur Handgepäck sollte man in Zukunft keines mehr haben, denn unter den Sitzen an der Außenwand des Flugzeuges darf nichts abgelegt werden. Die Klimaanlage würde das Handgepäck andernfalls grillen oder würde sich automatisch abschalten, wenn mehrere Belüftungsöffnungen im Fußraum zugestellt werden. Die Klimaanlage verdient ihren Namen zu Recht. Während man in der TRANSALL je nach Sitzplatz schwitzt oder friert, konnten wir uns im neuen Airbus kurzärmlig aufhalten. Lediglich an der Laderampe wurde es kühler. Auch der Geräuschpegel ist etwas geringer als in der TRANSALL. Was bietet der neue Airbus sonst noch? - Zwei Stehplätze für das "kleine Geschäft" der Männer, jetzt rechts an der Laderampe und keine "Klappe" hinter dem Vorhang. Das Waschbecken daneben, nur leider fehlt die Möglichkeit der Anbringung einer Rolle für Papierhandtücher. Der Mangel wurde in klassischer Bundeswehr-Manier mit einem Seil durch die Rolle und Aufhängung an der Bordwand abgestellt. Und endlich eine ordentliche Bordtoilette für die Frauen und falls der Flug mal etwas länger dauert… Es war ein angenehmer Flug und die meisten nutzten auch die Gelegenheit für einen Blick ins Cockpit, wo anstelle des Steuerhorns ein Stick auf der seitlichen Konsole zur Steuerung des Flugzeuges dient. Gespräche mit den Besatzungsangehörigen zeigten, dass sowohl Piloten als auch Techniker mit dem neuen Airbus zufrieden sind, auch wenn immer noch die eine oder andere Kinderkrankheit zum Vorschein kommt. Das ist bei der Einführung eines neuen Waffensystems normal, wir kennen das ja aus eigener Erfahrung mit unserem "EFchen". Trotz dieser Tatsache Hochachtung, was mit den drei derzeit zur Verfügung stehenden A-400M geleistet wird. Sie sind nahezu täglich im Einsatz und Gran Canaria war auch für die Besatzung eine nette Abwechslung zum zurzeit mehr frequentierten Bamako/Mali. Nach fünfeinhalb Stunden Flug setzten wir sicher in Laage bei strahlendem Sonnenschein auf. Nur die Ankunft kurz nach Dienstschluss verhinderte wohl eine größere Traube an Zaungästen.

 

Der riesige Laderaum des A400 M ; viel Platz für Material und Personal für weltweite Verlegungen.

 

Ich hoffe und wünsche, dass der A-400M schnell die Kinderkrankheiten überwindet und zukünftig öfter für den Hin- und Rücktransport bei Kommandos zur Verfügung steht und dann mindestens so sichere Dienste leistet wie die in die Jahre gekommene aber immer noch zuverlässige TRANSALL als Rückgrat des Lufttransportes.

 

Hptm Volker Schuricht
Stab TaktLwG 73 "S"