Dienstzeitupgrade

Stabsfeldwebel Dirk Kahle (L) mit seiner Crew in Laage

Werter Stabsfeldwebel Dirk Kahle! Sie befinden sich bereits jenseits Ihrer Besonderen Altersgrenze und leisten nun zusätzlich und freiwillig weiterhin vollumfänglichen aktiven Dienst.

 

Was bewog Sie dazu?

 

Ich werde jetzt gleich 55 Jahre alt und mir macht meine Verwendung als Teileinheitsführer bei Cross Servicing immer noch verdammt viel Spaß. Ich fühle mich gesund und mir würde der Geruch von verbranntem Kerosin sowie die täglich wechselnden Herausforderungen mit Gast-Lfz fehlen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.


Seit 1981 sind sie Soldat. Wie fällt Ihr Rückblick aus?


In den ersten knapp zehn Jahren diente ich als Techniker in der NVA an der MiG-21 und später an der MiG-29. Für meine Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Epoche in meinem Leben, aber zurück wünsche ich mir diese Zeit auf keinen Fall - von fünf Wochenenden hatte ich an einem frei! Positiv, ich konnte meinen Traum vom Arbeiten in der Fliegerei erfüllen.


Wie erlebten Sie die dynamische Zeit um die deutsche Widervereinigung?

 

Von Oktober 1990 bis Mai 1991 befand ich mich mit der MiG-29 zur

Truppenerprobung in Manching. Der Erste Golfkrieg stand vor der Tür. Amerikaner, Engländer, Franzosen, Israelis und eine Menge andere Nationen wollten über die Fähigkeiten der MiG-29 informiert werden - eine wahnsinnig interessante Zeit. Jede Woche war eine andere Nation in Manching. Jede Woche kamen andere Leute mit anderen Fragen zur MiG-29. Am Wochenende zu Hause vermischte ich Russisch, Englisch und Deutsch in einem Satz. Unruhig war diese Zeit auch für meine persönliche Perspektive. Als ehemaliger NVA-Berufssoldat nun befristeter "Weiterverwender" für zwei Jahre. Erst 1994 wurde ich zum zweiten Mal Berufssoldat.


Und wann wechselten Sie vom MiG-29-Techniker zum Bereich Cross Servicing und was macht den Reiz dieser Verwendung für Sie aus?


1992 bekam ich in Preschen an einem Donnerstag den Auftrag: "Kahle, ich brauche bis Montag ein Ausbildungskonzept für Cross-Leute MiG-29." Das war in etwa so, als ob ein Blinder über Farben spricht - und es funktionierte nicht. Bis dahin hatte ich keinerlei Berührungspunkte mit Cross Servicing. Also wurde ich auf eine Cross-Ausbildung für drei Wochen in Neuburg, Fürstenfeldbruck und Memmingen entsandt. Die Hilfsbereitschaft und vorurteilsfreie Integration in die "Familie Cross Servicing" gegenüber uns "Ossis" und Jedermann begeisterte mich vom ersten Tag an - ein Musterbeispiel für den Wiedervereinigungsprozess. Zertifiziert auf F-4F PHANTOM, ALPHA-JET und TORNADO gelang der zweite Anlauf für die Ausbildungsunterlagen an der MiG-29 sehr gut. Ab diesem Zeitpunkt bildete ich immer öfter Cross-Personal auf MiG-29 aus. Mit den erworbenen eigenen Lizenzen unterstützte ich "Cross" im praktischen Betrieb. Das war genau die Art von Tätigkeit, die mir immer vorgeschwebt hatte: jeden Tag andere Lfz, andere Piloten und andere Probleme. Es blieb die sorgfältige Arbeit am Lfz mit maximaler Flexibilität bei der Lösung der auftretenden Probleme. Hinzu kamen die vielen Großveranstaltungen, wie zum Beispiel die ILA, bei denen die "Crosser" mehrfach im Jahr aktiv waren.


Wie war Ihr erster Eindruck vom Standort Laage?


Alles begann mit dem Dienstantritt am 5. Januar 1995 in Laage. Für mich bei "Cross" aber mit Planstelle im Wartungszug - wieder alles neu, wieder alles anders. Mietwohnraum im näheren Umfeld war nicht vorhanden oder erst im Bau, also sechs Monate pendeln. Mit der Wohnungsanmietung kam meine Frau samt Familie nach und sie erhielt von mehreren Grundschullehrern als einzige eine Stelle in MV. Die Eingewöhnung am Platz und Standort lief dann sehr schnell. Die damaligen Arbeitsbedingungen waren kein Vergleich zu heute. "Cross" war in einem Gebäude direkt an der Flight untergebracht. Dort gab es kein fließendes Wasser, keine Toiletten, Salpeter an Innen- und Außenwänden, Wellasbestdach, null Wärmedämmung, bei größeren Regenfällen lief das Wasser in den tiefergelegenen Aufenthaltsraum und vom Dach über die Lampen auf den Fußboden.


Wann lernten Sie als "Crosser" die NATO-Partnernationen und ihr agieren mit Luftfahrzeugen kennen?


Erstmals 1995 nahm ich an einer Übung in Karup (Dänemark) mit Angehörige der polnischen Luftwaffe mit MiG-23 teil. Als Beobachter waren Letten, Litauer, Rumänen und Slowaken dabei. Es zeigte sich, dass die Luftwaffe deutlich schneller als die osteuropäischen neuen Partner den westlichen Standard mit der MiG-29 einnahm. Bei den multinationalen Übungen speziell für Cross Servicing spiegelte sich diese besondere nationale Gemeinschaft auch unter den Partnernationen wider. Wir sind auch international eine "Familie Cross Servicing". Dabei ist der Leistungsanspruch enorm hoch. Wer bei Großveranstaltungen dem Ausleseprozess nicht standhält, der wird auf unbestimmte Zeit auch nicht mehr zu Events abgefragt. Dabei agieren viele andere NATO-Partner mit weniger Bürokratie und Reglementierung und dadurch mit mehr Menschenverstand. So schaffen es kleine Luftwaffen, wie zum Beispiel Belgien, mit wesentlich weniger Footprint im Einsatz, uns in nichts nachzustehen.


Sie verfolgen das Geschwaderleben nun schon mehr als 25 Jahre. Wie hat es sich entwickelt?


Das Geschwader "Steinhoff" ist beispielgebend für den Wiedervereinigungsprozess. Insbesondere Vorgesetzte, wie Oberst Manfred Menge, Kommodore in den 1990ern, haben und hatten einen enormen Anteil an dieser positiven Entwicklung. Ich möchte in keinem anderen Geschwader dieser Luftwaffe dienen. Wir verfügen über eine hervorragende Infrastruktur und ich als "Staber" kann mich kritisch in den Veränderungsprozess einbringen. Für mein Geschwader wünsche ich mir noch mehr Entscheidungsfreude meiner Vorgesetzten. Luftwaffenweit erbitte ich mir Bürokratieabbau und schlankere Entscheidungswege. Ich bin bereit höhere Verantwortung zu tragen, um auf Veränderungen nicht immer nur reagieren zu müssen. Das würde definitiv zu mehr Berufszufriedenheit führen.
In meinem Alter stellt man fest, Gesundheit ist das wichtigste Gut. Ich wünsche allen Geschwaderanghörigen eine Menge davon sowie Glück und Zufriedenheit!


StFw Kahle, ich bedanke mich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute!

 

Oberstlt Robert Seibt
Stab TGrp TaktLwG 73 "S"


ITO Umzüge

 

EUROFIGHTER 

 

Heine

 

GFD



 


 


 

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