Als Techniker(in) bei der Bundeswehr

Mit der Öffnung der Bundeswehr für Frauen im Jahr 2001 haben auch die technischen Verwendungen ihre Tore der Frauenwelt geöffnet. Eine Technikerin ist Stabsunteroffizier Antje Cohn. Sie ist zurzeit als 2. Wart im Liegebereich ALPHA des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff" tätig.

 

Stabsunteroffizier Antje Cohn in ihrer typischen Arbeitsumgebung

 

Geboren in Braunschweig, ist sie 2009 nach Laage gezogen. Nach Beendigung ihrer Schulzeit im Jahr 2002 machte sie eine Ausbildung zur Industriemechanikerin. Ihre Ausbildung wurde von der Bundeswehr anerkannt, sodass sie mit einem höheren Dienstgrad, als Stabsunteroffizier, in die Bundeswehr eintrat. Anschließend folgten verschiedene Lehrgänge zum Erlernen der militärischen Grundfähigkeiten. Ihre Vorkenntnisse konnte sie in den fachlichen Lehrgängen, welche für die Ausbildung zum Wartungsmechaniker notwendig waren, gut einbringen. Hierfür absolvierte sie in Faßberg die Ausbildung zur Fluggerätemechanikerin und vertiefte das Gelernte in Kaufbeuren auf dem Waffensystem EUROFIGHTER. Nach dem Durchlaufen aller Lehrgänge konnte sie ab Mai 2012 aktiv am Alltag der Wartungs- und Waffenstaffel in Laage teilnehmen. Als erfahrener 2. Wart war sie bereit, dem DER KRANICH einige Fragen zum "Wartungsalltag" zu beantworten.

 

Wie sind Sie zur Bundeswehr gekommen?

Nach meiner Ausbildung konnte mein Arbeitsvertrag nicht verlängert werden. Nachdem ich gezwungen war, mich arbeitssuchend zu melden, bin ich durch Zufall auf die Bundeswehr aufmerksam geworden. Mir wurde angeboten, meine Ausbildung an einem der verschiedenen Waffensysteme der Bundeswehr zu vertiefen. So konnte ich neben dem vergleichsweise jungen EUROFIGHTER auch an der TRANSALL oder an einem Drehflügler eine Verwendung beginnen. Das Waffensystem EUROFIGHTER hat die größten Zukunftsaussichten und hat es mir daher angetan. Das ist auch der Grund gewesen, warum ich zur Luftwaffe wollte.

 

Hatten Sie Bedenken, bevor Sie zur Bundeswehr gekommen sind?

Anders als man es sich im ersten Moment vielleicht denken könnte, waren meine Bedenken eher gering. Ich war bereits in meiner Ausbildung die einzige Frau gewesen und musste mich gegen eine Vielzahl von Männern beweisen. Daher war es für mich kein Problem, einen weiteren "männlich dominierten" Bereich zu erobern. Ich wusste jedoch vorher nicht, welche militärischen Anforderungen an mich gestellt werden würden. Einige Tage in der Grundausbildung waren sicherlich anstrengend. Rückblickend betrachtet, haben mich die gemachten Erfahrungen meine eigenen Grenzen erkennen lassen.

 

Stabsunteroffizier Antje Cohn in ihrer typischen Arbeitsumgebung

 

Wurde die Entscheidung zur Bundeswehr zu gehen, positiv von Ihrer Familie aufgenommen?

Ja. Ich wurde zu jeder Zeit von meiner Familie unterstützt. Meine Mutter meinte sogar, dass sie zu ihrer Zeit genau die gleiche Entscheidung getroffen hätte, hätte sie die Möglichkeit dazu bekommen.

 

Wurde Ihnen schon einmal Ablehnung/Abneigung entgegen gebracht, weil Sie zur Bundeswehr gekommen sind?

Zum Glück habe ich noch keine negativen Äußerungen oder gar Ablehnung erfahren müssen. Es kommt aber schon häufiger vor, dass die Leute erstaunt sind, wenn man diesen erzählt, dass man als Frau Wartungsmechaniker am EUROFIGHTER ist.

 

Haben Sie Befürchtungen, zu einem Einsatz ins Ausland zu gehen?

Es haben sicherlich viele Kameraden Bedenken, für eine längere Zeit in den Einsatz zu gehen. Da wir Warte den täglichen Flugbetrieb direkt sicherstellen, davon jedoch zu viele Dienstposten in unserem Geschwader unbesetzt sind, bleibt für ein längeres Fernbleiben durch einen Aufenthalt im Ausland meist keine Zeit.

 

Vor, zwischen und nach jeder Arbeit erfolgt eine Werkzeugkontrolle.

 

War es rückblickend betrachtet, die richtige Entscheidung zur Bundeswehr zu gehen?

Ja, auf alle Fälle! Ich habe viele Erfahrungen machen dürfen, für die ich sonst nicht die Gelegenheit bekommen hätte: ich habe viele interessante Menschen kennen lernen dürfen, war in Decimomannu "DECI" auf Kommando gewesen und konnte meine körperlichen Grenzen erfahren. Auch bin ich stolz darauf, für Deutschland Dienst geleistet zu haben. Ich freue mich aber jetzt schon, nach dem geleisteten Dienst wieder in meine Heimat zurückkehren zu können.

 

Waren Sie schon vor Ihrer Zeit bei der Bundeswehr technikinteressiert?

Eine Freundin hat in der gleichen Firma eine Ausbildung zur Industriemechanikerin gemacht und mir davon vorgeschwärmt. Erst dadurch habe ich es mir überlegt, die gleiche Ausbildung anzustreben. Nach den ersten Einblicken in die Firma, habe ich ein reges Interesse an technischen Vorgängen bekommen. Als einzige Frau in der Berufsschulklasse habe ich jedoch Eingewöhnungsprobleme gehabt. Im Gegensatz zu den meisten Männern, habe ich vorher mit handwerklichen Dingen nicht viel zu tun gehabt, von daher musste ich mich schon ab dem ersten Tag hinsetzen und lernen.

 

Zur Durchführung der Cockpitsicherheit gehört eine allgemeine Sichtprüfung. Diese soll Beschädigungen vorbeugen, Fremdobjekte oder Leckagen identifizieren.

 

Waren Sie besorgt, sich in einer technischen Verwendung zu bewähren?

Ich will keinem Klischee entsprechen, bei dem andere sagen: "Typisch Frau". Daher mache ich mir regelmäßig Gedanken, sodass ich gut vorbereitet bin. Ich will den Männern beweisen können, dass ich genauso gut sein kann und dass ich das Geld verdiene, welches ich jeden Monat bekomme.

 

Wollen Sie Ihren technischen Werdegang nach Ihrer Zeit bei der Bundeswehr weiter fortführen?

Ja. Nach der Bundeswehr möchte ich bei mir in der Heimat eine Techniker-Schule besuchen und strebe eine berufliche Zukunft in Richtung Maschinenbau/Konstruktionstechnik an.

 

Werden Sie von Ihren Kameraden geschätzt?

Es steht niemand auf, wenn ich mich an den Tisch setze. Ich glaube daher - trotz gelegentlicher Scherze - von allen meinen Kameraden geachtet und akzeptiert zu werden. Selten kommt es vor, dass ich bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten um Hilfe bitten muss, zum Beispiel beim Abbau eines Außentanks. Hier muss am hinteren Ende der Ball Hook gelöst werden, welcher mit einem Anzugsmoment zwischen 170-190 Nm sehr fest sitzt. Dafür habe ich nicht genügend Masse, um mich dem entgegen zu stellen.

 

Glauben Sie, dass Ihre Arbeit in der TGrp (Technische Gruppe) gesehen wird?

Wenn die Arbeit gut gemacht ist und es zu keinen Problemen kommt, fallen die Warte in aller Regel nicht auf.

 

Wie auch beim Auto werden beim EUROFIGHTER die Betriebsstände kontrolliert, hier: Triebwerksöl.

 

Sind Sie mit dem Standort Laage zufrieden oder könnten Sie sich auch eine Verwendung in einem anderen Luftwaffenstandort vorstellen?

Ich will die Nähe zum Norden nicht verlieren. Andererseits war ich stets am Waffensystem EUROFIGHTER interessiert, daher habe ich mir über andere Standorte keine Gedanken gemacht. In Laage gefällt mir das positive Klima. Der Umgangston mit den Kameraden ist freundschaftlich und lustig und nahezu jeder hat einen Spitznamen. Die Arbeit erfolgt im Team und wenn jeder seinen Aufgabenbereich kennt, ist ein Befehlston nicht notwendig.

 

Hatten Sie das Gefühl, dass Sie bei der Ausübung Ihres Dienstes aufgrund Ihres Geschlechts bevorteilt worden sind?

Nein. Bis auf kleine Hilfeleistungen, die ich in Anspruch nehmen muss, mache ich die gleiche Arbeit wie jeder andere 2. Wart. Ich jammere genauso viel, wenn es im Winter zu kalt ist oder wenn die Füße beim Marsch schmerzen. Meine Arbeit mache ich trotzdem mit Freude.

 

OLt Marco Schwentesius
Wtg/WaStff TaktLwG 73 "S"